Oldenburg - Der für diesen Sommer von der Verwaltung angekündigte Umzug des sogenannten Punkerplatzes soll nun offenbar schnellstens über die Bühne gehen. „Der Umzug steht unmittelbar bevor“, sagte Stadtsprecher Andreas van Hooven am Dienstag auf Anfrage. Neue Heimat der Punker wird ein städtisches Grundstück neben der Kleingartenanlage „Drielaker See“ am Hemmelsbäker Kanalweg. Die Kosten für die Herrichtung des Platzes schätzt van Hooven auf „weniger als 5000 Euro“.

Von einer Einvernehmlichkeit zwischen Kleingärtnern und Punkern, wie von der Verwaltung behauptet, kann aber keine Rede sein. Der Kleingartenverein „Osternburger Gartenfreunde“, der sich im Sommer noch vehement gegen den Umzug ausgesprochen hatte (NWZ  berichtete), stimmte dem Vorhaben zwar inzwischen zu – allerdings nicht ganz freiwillig. „Uns blieb nichts anderes übrig“, meint Vorsitzender Kai-Uwe Schmitz. Die Verwaltung habe dem Verein zu verstehen gegeben, dass die vorhandenen städtischen Strom- und Wasseranschlüsse bei einer Ablehnung nicht mehr zur Verfügung stehen könnten. „100 Kleingärtner würden dann ohne Strom und Wasser dastehen“, befürchtet Schmitz.

Zum Hintergrund: Der Punkerplatz ist ein in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommenes soziales Wohnprojekt, das das Jugendamt vor 15 Jahren startete. Auf einem Gelände an der Stedinger Straße leben acht bis zehn Punker in Bauwagen. Betreut werden sie durch städtische Straßensozialarbeiter.

Dass die jungen Leute jetzt umziehen sollen, liegt an den Plänen des Bundes, ein Wendebecken im Hafen bauen zu wollen. Für das 5,2 Millionen-Euro-Projekt wird die Fläche, auf dem sich der Punkerplatz befindet, benötigt. Baubeginn ist für 2015 angedacht.

Auf gute Nachbarschaft? Die Pläne der Stadt

Bei der Suche nach einer Ersatzfläche für die Punker hat sich die Verwaltung für das Gelände bei der Kleingartenanlage entschieden. Diese Fläche, die die Zustimmung der Punker gefunden habe, sei derzeit die einzige, die in Frage komme, heißt es in einer Vorlage zum Jugendhilfeausschuss, der sich an diesem Mittwoch (17 Uhr, PFL) mit dem Thema befasst.

Aus ökologischer Sicht äußerte Renate Heim (BUND) bereits im Umweltausschuss Bedenken gegen den Umzug der Punker an den Drielaker See. Auch der Bürgerverein Osternburg-Dammtor hält den Standort für ungeeignet. „Ich weiß nicht, was die Verwaltung geritten hat. Unsere Bedenken, beispielsweise ist die Müllentsorgung nicht geregelt, werden wir demnächst vortragen“, kündigte Vorsitzender Uwe Lauterbach Gespräche mit der Stadt an.

Die betroffenen Kleingärtner befürchten derweil Probleme, wenn die Punker – wie am bisherigen Standort – Konzerte mit laut eigener Aussage 100 bis 200 Besuchern veranstalten. Einige Kleingärtner haben bereits reagiert: Die ersten Parzellen stehen bereits zum Verkauf.