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NWZonline.de Nachrichten Politik

50 Jahre Raf: Wie gründet man eine Terrorgruppe?

11.05.2020

Oldenburg /Berlin Eine terroristische Gruppe „gründet“ sich nicht, sie tritt mit einer spektakulären Aktion an die Öffentlichkeit. Im Falle der Roten Armee Fraktion (RAF) war das die Befreiung des inhaftierten Kaufhaus-Brandstifters Andreas Baader am 14. Mai 1970 aus dem Institut für Soziale Fragen der Freien Universität in Berlin-Dahlem. Ulrike Meinhof hatte den Haftausgang initiiert, in dem sie vorgab, mit Baader ein Interview für ein Buchprojekt über randständige Jugendliche führen zu wollen.

Baader (geb. 1943) hatte am 2. April 1968 zusammen mit Gudrun Ensslin (geb. 1940) sowie Thorwald Proll und Horst Söhnlein in zwei Frankfurter Kaufhäusern Brandsätze gelegt. Es entstand Sachschaden, vor allem durch die Sprinkleranlagen. Ensslin und Baader wurden kurze Zeit später in Frankfurt verhaftet. Im Oktober begann der Strafprozess gegen die vier, wobei alle wegen versuchter menschengefährdender Brandstiftung zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt wurden.

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Während des Prozesses interessierte sich die Starkolumnistin der linken Zeitschrift „Konkret“, Ulrike Meinhof, für die Angeklagten Baader und Ensslin. Es entstand ein berühmter Kommentar in „Konkret“: „Das progressive Moment in einer Warenhausbrandstiftung liegt nicht in der Vernichtung der Waren, es liegt in der Kriminalität der Tat, im Gesetzesbruch.“

Ulrike Meinhof stammte aus Oldenburg, wo sie bis 1952 die Liebfrauenschule besuchte. Das Abitur bestand sie in Weilburg, wohin die Pflegemutter Renate Riemeck (eine spätere Friedensaktivistin) gezogen war. Die überaus begabte Ulrike Meinhof studierte in Wuppertal und Münster, war Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes, wurde Kolumnistin der „Konkret“ und engagierte sich gegen die atomare Bewaffnung. Sie zog nach Hamburg und, nach ihrer Trennung vom Konkret-Verleger Klaus Rainer Röhl, nach Berlin.

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Ensslin und Baader lebten eine Zeit lang bei Meinhof, nachdem sie 1969 abgetaucht waren (für die Revision waren sie auf freiem Fuß). Als Baader im April 1970 erneut verhaftet worden war, beschlossen Meinhof und andere seine Befreiung.

Die Aktivisten hatten sich bewaffnet. Bei der Befreiung wurde ein Institutsangestellter durch Schüsse schwer verletzt. Baader und seine Befreier entkamen. Sie sprangen durch ein Fenster in die Freiheit. Unter den Flüchtenden, was gar nicht geplant war (sie sollte die Rolle der arglosen Interviewerin weiterspielen), war auch Ulrike Meinhof. Die Geburtsstunde der RAF, die Rote Armee Fraktion (RAF). Ab da an war Ulrike Meinhof die „Staatsfeindin Nr. 1“.

Und die Gruppierung galt in der Öffentlichkeit fortan als „Baader-Meinhof-Bande“. Mit einer Serie von Banküberfällen, Überfällen auf Polizeigebäude und Einrichtungen des US-Militärs überzog sie das Land und sorgte für einen hysterischen Dauer-Fahndungszustand. Tatsächlich waren Ensslin und Baader das Machtzentrum, Ulrike Meinhof eher das intellektuelle Aushängeschild.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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