Rastede - Fast 200 fehlende Betreuungsplätze in den Krippen und Kindergärten in der Gemeinde Rastede bis zum Sommer 2018: Mit dieser dramatischen Situation konfrontierte die Verwaltung Anfang Mai die Politik. Dem Kinder-, Jugend- und Sozialausschuss wurden damals sogleich Lösungsvorschläge unterbreitet, die auch einstimmig befürwortet wurden. Die Verwaltung hatte schließlich deutlich gemacht: Die Zeit drängt.
Die Planung
Am Dienstag wurden der Politik nun konkrete Planungen vorgestellt. So soll jeweils eine Modulanlage für zwei Kindergartengruppen an der Feldbreite in Rastede und an der Sandbergstraße in Wahnbek entstehen. Auf dem Grundstück in Wahnbek, das derzeit noch als Bolzplatz genutzt wird, soll zudem eine zweigruppige Kinderkrippe gebaut werden. Kostenpunkt für die drei Vorhaben: rund 3,5 Millionen Euro.
Da der Bedarf an Betreuungsplätzen laut Verwaltung groß und die Zeit knapp ist, sollen Modulanlagen aufgebaut werden, um kurzfristig Plätze anbieten zu können. Noch in der Sitzung im Mai hatte es dazu geheißen, dass es „durchaus realistisch ist, bis zum Spätherbst/Winter die Modulanlagen in Betrieb nehmen und die Neubauten in den Wintermonaten herrichten zu können“. So steht es im Protokoll.
Ein enges Zeitfenster
Dieses Zeitfenster scheint inzwischen überholt zu sein. Am Dienstag hieß es, dass die Modulanlagen zum 31. März 2018 fertiggestellt sein sollen, der Betrieb also zum 1. April starten könnte. Die zusätzliche Krippe in Wahnbek, die in Festbauweise errichtet werden soll, wird nach Schätzung des Architekten erst im August oder September 2018 fertig werden.
Das Finanzielle
Hinzu kommt: Im aktuellen Haushalt ist für diese Bauvorhaben noch gar kein Geld eingeplant. Am 4. September wird die Verwaltung der Politik daher einen Nachtragshaushalt präsentieren, der bereits eine Woche später, am 11. September, vom Gemeinderat verabschiedet werden soll.
Bevor dann aber Firmen mit dem Bau der Kindergärten und der Krippe beauftragt werden können, muss dieser Nachtragshaushalt erst noch vom Landkreis Ammerland genehmigt werden. Das kann noch einmal mehrere Wochen dauern.
Zwei Modulanlagen
Die Planung für die beiden Modulanlagen stellte Architekt Oliver Ohlenbusch vom Büro „gruppeomp“ am Dienstag vor. Jeweils 20 Module werden benötigt, um diese Kindergärten in Rastede und Wahnbek zu realisieren. Vorgesehen sind zwei Gruppenräume mit einer Größe von je rund 50 Quadratmetern. Maximal 25 Kinder können dann pro Gruppe untergebracht werden.
Auf rund eine Million Euro schätzte Ohlenbusch die Kosten für die erste Modulanlage. Die zweite Anlage könnte derweil zehn bis fünfzehn Prozent günstiger ausfallen.
Die Politik lobte derweil die Planung. Sie sei „architektonisch wirklich gut durchdacht“, sagte Rüdiger Kramer (SPD). Evelyn Fisbeck (FDP) fand die optische Gestaltung der Module „sehr schön“. Diese sollen, so der Entwurf des Architekten, eine Holzverkleidung erhalten.
ein festes Gebäude
Einen Entwurf für die in Festbauweise geplante Kinderkrippe in Wahnbek stellte Architekt Manfred Burrichter von der Planungsgruppe Ammerland am Dienstag vor. Hier sind zwei jeweils rund 55 Quadratmeter große Gruppenräume mit angegliederten Ruheräumen (je 16 Quadratmeter) vorgesehen. An der Fassade sollen ebenfalls Holzelemente angebracht werden, um ein einheitliches Bild zum benachbarten Kindergarten zu schaffen. Hier beläuft sich die Kostenschätzung auf gut 1,5 Millionen Euro.
Auf Wunsch der Gemeinde wurde die Krippe größer als erforderlich dimensioniert. So könnte das Gebäude zu einem späteren Zeitpunkt als Kindergarten genutzt werden. Die Module im vorderen Bereich des Grundstücks könnten dann abgebaut werden.
Mögliche Probleme
Die Politik begrüßte auch diese Planung. Bedenken äußerte Jan Hoffmann (Grüne) hinsichtlich der Verkehrssituation. Da Krippe und Kindergarten auf einem Grundstück an der Sandbergstraße (Tempo-30-Zone) liegen und es kaum Parkplätze gibt, befürchtet er zu den Bring- und Abholzeiten Probleme.
Hoffmann fragte zudem, warum nicht auch die Krippe als Modulanlage geplant werde. Eine Antwort blieb die Verwaltung in der Sitzung jedoch schuldig. Gemeindesprecher Ralf Kobbe sagte am Mittwoch auf Anfrage, dass man sich durch die Modulanlagen zwar Schnelligkeit erkaufe, aber Flexibilität verliere. Die Raumaufteilung sei in den Modulen fix, in einem Festbau könne sie verändert werden. Preislich gebe es zudem keinen Unterschied.
Günstigere Alternative
Mit Blick auf die von Ohlenbusch avisierten Preisnachlässe könnten allerdings drei Modulanlagen (eine an der Feldbreite und zwei in Wahnbek) für rund 2,7 Millionen Euro realisiert werden. Das jetzt auf den Weg gebrachte Vorhaben mit zwei Modulanlagen (Feldbreite und Wahnbek) und einem Festbau (Wahnbek) kostet indes 3,5 Millionen Euro.
Herausforderungen
Ein weiteres Problem, das in Wahnbek gelöst werden muss: Der im vorderen Bereich des Grundstücks geplante Kindergarten soll Ende März 2018 fertig sein. Die Bauarbeiten für die Krippe im hinteren Bereich laufen aber bis September 2018. Dies wird die Planer vor logistische Herausforderungen stellen.
Um das Vorhaben überhaupt umsetzen zu können, ist auch die Änderung des Bebauungsplans erforderlich. Dieses Verfahren läuft derzeit noch. Wie die Architekten am Dienstag deutlich machten, wird dort noch eine neue Änderung einzuarbeiten sein. Der Bereich, der künftig bebaut werden darf, muss fünf Meter weiter in Richtung Süden vergrößert werden. Sonst passen die beiden Gebäude nicht auf das Grundstück.
So geht es jetzt weiter
Am 29. August soll der Kinder-, Jugend- und Sozialausschuss erneut zusammenkommen, um die Bauvorhaben endgültig auf den Weg zu bringen. In dieser Sitzung sollen dann weitere Details zum geplanten Bau bekanntgegeben werden.
