RASTEDE - „Es gibt linke Kreise, die nennen mich noch heute einen Verräter“, weiß Michael „Bommi“ Baumann, einst Gründer der „Bewegung 2. Juni“, die in den 1970er Jahren Anschläge in Berlin verübte. Nachdem er die „Sinnlosigkeit dieses Handelns“ öffentlich erklärt hatte, war er „ganz auf sich allein gestellt“.

Und das sei wohl auch der Grund, warum heute in terroristischen Kreisen „keiner aus dem Rahmen fallen will – also macht man weiter“.

Die Gewalt, so blickte Baumann in der Veranstaltung des Arbeitskreises „Für den Frieden“ an der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Rastede zurück, sei erst nur von der Polizei ausgegangen, „als wir von unserem Demonstrationsrecht Gebrauch gemacht hatten“.

Und wer damals lange Haare getragen habe, der sei auf der Straße als „Penner“ bezeichnet worden, als jemand, der „ins Arbeitslager gehöre“, und es hätten schon Rollkragenpullover und Wildlederschuhe mit Kreppsohlen gereicht, um „als schwuler Kommunist, als perverser Kranker“ beschimpft zu werden.

Keineswegs verteidigen und schon gar nicht „schön reden“ wollte „Bommi“ seine Taten von damals, nur erklären, wie sich Gewalt und Gegengewalt aufschaukeln würden, wie Hass entstehe.

Als ihm klar wurde, dass die eigenen Leute das Töten als Selbstverständlichkeit betrachteten, sei er zur Einsicht gekommen. Früher habe man geredet und gelacht, „dann putzten die Freunde nur noch die Waffen und pflegten ihre Munition“.

Ihnen zu sagen, „dass da etwas schief läuft“, habe er sich nicht getraut, „wenn das Gegenüber eine Waffe in der Hand hat – dann ist es Zeit, zu gehen“.

Baumann ist gegangen, ist in den Untergrund und die Isolation geflüchtet. 1981 wurde er in London verhaftet, verbüßte wegen Sprengstoffattentaten und anderer Delikte eine fünfjährige Haftstrafe. Heute ist der gelernte Betonbauer als Autor tätig – und als Mahner. Denn seinen Standpunkt von einst hat er gewahrt, und das ist der Gewaltverzicht.

Voll besetzt war die Aula, als Michael „Bommi“ Baumann erzählte und Fragen beantwortete. Zum Thema Terrorismus hatte die Arbeitsgemeinschaft ihn sowie Martin Kahl eingeladen, der sich im Rahmen des Hamburger Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik mit den gegenwärtigen Ursachen und Auswirkungen des Terrorismus beschäftigt.

Die Arbeitsgemeinschaft, die erst am Abend zuvor für ihr Engagement gegen Gewalt und Ausgrenzung mit der Ehrenmedaille der Gemeinde Rastede ausgezeichnet worden war (die NWZ berichtete), wollte mit der Veranstaltung einen weiteren Beitrag zur politischen Bildung leisten und auf das Ideal einer Welt in Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit verweisen.

Sie will die religiösen, sozialen, kulturellen, politischen und ökonomische Ursachen und Konsequenzen des Terrorismus aufzeigen und dazu aufrufen, Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung zu ächten und friedliche Wege in ein gleichberechtigtes Miteinander zu suchen.