Rastede/Nienburg - Das Datum war ein außergewöhnliches: Zum 75. Mal jährte sich am 27. Januar die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Gemäß dieses Anlasses bot das alljährliche „Forum des Gedenkens“ zum „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ im Rathaus zu Nienburg ein besonderes Programm. Und daran wirkte die Arbeitsgemeinschaft „Für den Frieden“ der Kooperativen Gesamtschule Rastede mit einer szenischen Lesung mit.

Unter dem Titel „Ach Warschau...“ trugen die Rasteder Schülerinnen Tjada Kulawik, Hanna Walchholz, Saskia Dierks, Viola Kuiper und Veronika Dinter Berichte von jüdischen Augenzeugen vor. Musikalisch wurde die AG vom Sinti-Musiker Sascha Jasarevic begleitet. Für ihren Beitrag erhielten die Schülerinnen nach ihrem Vortrag viel Lob von den Besuchern der Gedenkveranstaltung im Nienburger Rathaus.

Die AG „Für den Frieden“ wollte mit ihrer szenischen Lesung die Erinnerung an das Leid der Juden wachhalten, heißt es in einer Mitteilung der Gruppe. Das Leid, das die Juden durch alltägliche Ausgrenzung und jahrelange Verfolgung erdulden mussten – insbesondere in den Ghettos von Lodz, Krakau oder Warschau. Zugleich wollten die Rasteder Schülerinnen daran erinnern, dass die Juden sich gegen ihre Entfernung aus der Menschheit wehrten – in den Konzentrations- und Vernichtungslagern ebenso wie im Warschauer Ghetto, schreibt AG-Leiter Michael Luttmer in der Mitteilung über den Gedenktag im Nienburger Rathaus.

„Dass sich im Warschauer Ghetto zumeist jugendliche Menschen gegen die drohende Deportation nach Auschwitz-Birkenau gewehrt haben, ist eine Besonderheit dieses ungleichen Kampfes“, erläuterte Veronika Dinter die Bedeutung des Aufstandes vom April 1943. „Und zugleich“, ergänzte ihre AG-Kollegin Viola Kuiper, „haben mit diesem militärisch ja aussichtslosen Aufstand Menschen bewiesen, dass sie bereit sind, ihr Leben für ihre Würde einzusetzen.“ So sei der Kampf um das Überleben, bestätigte Saskia Dierks, „auch ein Aufstehen gegen die Entmenschlichung und ein Einsatz für eine Welt des Friedens, der Freiheit und der Würde.“

Auch 75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz, so die AG „Für den Frieden“, sei es notwendig, diesen Kampf weiter zu führen. Der Antisemitismus sei „nach 1945 ja nicht verschwunden“, begründete Tjada Kulawik das Engagement der Rasteder Arbeitsgemeinschaft gegen die aktuelle Diskriminierung jüdischer Menschen. „Der Anschlag auf die Synagoge in Halle hat die fortgesetzte Anfeindung gegenüber Juden noch einmal bewiesen“, verwies Hanna Waldholz auf den jüngsten Anschlag auf eine jüdische Gemeinde in Deutschland. „Und nicht nur Juden werden ausgegrenzt“, sagte Viola Kuiper, „Sinti und Roma sind ebenfalls Opfer permanenter Diskriminierung.“