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Stimmabgabe Für Bürgermeister Ab 16 Die jüngsten Wähler in Rastede

Rastede - Wenn in der Gemeinde Rastede an diesem Sonntag, 26. Mai, ein neuer Bürgermeister gewählt wird, dürfen 1577 Einwohner zum ersten Mal ihre Stimme abgeben. Die jüngsten von ihnen haben erst in den Tagen zuvor ihren 16. Geburtstag gefeiert. Mit drei dieser jungen Menschen hat die Gemeindeverwaltung über ihre bevorstehende Wahl-Premiere gesprochen.

Niedersachsen war 1996 das erste Bundesland, das das Mindestalter bei Kommunalwahlen herabgesetzt hat. Und doch ist die Regelung kaum bekannt: Für zwei der drei Jugendlichen sei die Wahlbenachrichtigung ziemlich unerwartet gekommen. „Bis dahin habe ich gar nicht gewusst, dass ich an der Wahl schon teilnehmen darf“, berichtet Reyk Nissen. Er wird am Sonntag der jüngste Rasteder Erstwähler sein. Erst am Freitag vollendete er sein 16. Lebensjahr.

Hoher Anteil an Briefwählern

Bis Freitagmittag stieg die Zahl der Briefwähler in der Gemeinde Rastede noch einmal an. Für die Europawahl verzeichnete die Gemeindeverwaltung 2610 Briefwähler, für die Bürgermeisterwahl sogar 2638. Bis zum Wahlabend könne die Anzahl noch leicht variieren, aufgrund der so genannten Notfallbriefwahl etwa bei plötzlicher Erkrankung, erläuterte die zuständige Fachbereichsleiterin Sabine Meyer.

18 259 Wahlberechtigte sind bei der Bürgermeisterwahl in Rastede aufgerufen, ihr Kreuz zu machen. Bei der Europawahl sind es mit 17 555 Wahlberechtigten etwas weniger Personen. Die Wahllokale sind Sonntag von 8 bis 18 Uhr geöffnet.

Auch Victoria Furche sagt: „Als die Wahlbenachrichtigung kam, hatte ich gar nicht damit gerechnet.“ Einzig für Morlyn Kobbe sei der Brief mit der Aufschrift „Eilige Wahlsache“ keine allzu große Überraschung gewesen – das dürfte allerdings nicht zuletzt daran liegen, dass ihr Vater im Rathaus arbeitet. „Wir hatten in der Familie bereits über die Wahl gesprochen“, erzählt Morlyn Kobbe. Sie und Victoria Furche haben zufällig sogar am selben Tag Geburtstag, beide wurden am vergangenen Mittwoch 16 Jahre alt.

Die drei Rasteder Erstwähler seien froh darüber, dass sie am Sonntag ein Wörtchen mitzureden haben, wenn es um das neue Gemeindeoberhaupt geht, heißt es in der Mitteilung der Verwaltung. „Es ist wichtig, dass wir mitbestimmen dürfen“, sagt Morlyn Kobbe, „schließlich geht es auch um unsere Zukunft.“ Das findet auch Reyk Nissen. Und obwohl er im Großen und Ganzen zufrieden sei, wie er sagt, gebe es auch Dinge, die seiner Meinung nach verbessert werden könnten: „Mehr Freizeit-Angebote für Jugendliche wären nicht schlecht“, sagt er, „und der Klimaschutz ist mir wichtig.“

Keine leeren Versprechen

Letzteres sieht Victoria Furche genauso. Dazu sollte sich der neue Bürgermeister ihr zufolge aber auch für bezahlbaren Wohnraum einsetzen. Dieser Wunsch kommt nicht von ungefähr: „Meine Familie hat vor einigen Jahren selbst erlebt, wie schwer es ist, eine passende Wohnung zu finden.“ Ebenso wichtig ist der Schülerin, dass ein Bürgermeister „keine leeren Versprechungen“ gibt: „Wenn nicht klar ist, ob er etwas erreichen kann, dann sollte er damit offen umgehen und einfach sein Bestes tun.“

Wenig Berührungspunkte

Berührungspunkte zwischen den drei Erstwählern und den vier Bewerbern um das Amt des Bürgermeisters habe es während der vergangenen Wochen kaum gegeben. „Von einem Kandidaten habe ich einen Brief bekommen, von einem anderen einen Flyer“, berichtet Morlyn Kobbe. Reyk Nissen sei einem der zur Wahl stehenden in der Schule begegnet, als dort eine Podiumsdiskussion mit Kandidaten für das EU-Parlament stattfand.

Apropos Schule: Dort seien die Organe der Europäischen Union gerade Unterrichtsthema in seiner Klasse gewesen, erzählt Reyk Nissen. „Aber welche Einflussmöglichkeiten der Bürgermeister einer Gemeinde ganz konkret hat, haben wir soweit ich mich erinnere nie behandelt“, sagt der Gymnasiast. Eine entsprechende Ergänzung im Lehrplan wäre vielleicht sinnvoll – schließlich dürfen einige Schüler den Bürgermeister bereits mitbestimmen, an der Wahl der EU-Parlamentarier aber in aller Regel nicht teilnehmen.

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