RASTEDE - Das Brötje-Werk in Rastede hat das technische Wissen und die Produkte, der Bedarf ist da – doch die Heizungsbauer bleiben auf ihren Produkten sitzen, obwohl es einen Modernisierungsstau gibt. Das erfuhr Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) bei seinem Besuch am Donnerstag im Rasteder Brötje-Werk.

Marc Oliver König, Mitglied der Geschäftsleitung, sah einen „schlafenden Riesen“, nämlich gewaltige energetische Potenziale im Gebäudebestand. Zwei Drittel der 37 Millionen Wohnungen in Deutschland seien nicht auf dem Stand der Technik. Die Energieeinsparung könnte bei insgesamt 50 Prozent liegen. Als Ursachen nannte er die Mehrwertsteuererhöhung und den Wegfall der Eigenheimförderung, den milden Winter 2006/2007, vor allem aber Unsicherheit bei den Verbrauchern darüber, welche Technik und welche Energieträger zukunftssicher seien. Schließlich sorge auch die „unstete Förderpolitik“ für Verdruss und abwartende Haltung bei den Hausbesitzern. Und politische Nachrichten wie „Klimaschutz ist teuer“ würden die Investitionsbereitschaft ebenfalls senken. „Klimaschutz lohnt sich“, hielten König und auch Geschäftsführer Sten Daugaard dagegen und verwiesen auf hohe Einsparmöglichkeiten. Statt Zwangsverordnungen müssten alternative Wärmeerzeuger gefördert werden – für den Verbraucher kalkulierbar

und mit Rechtsanspruch. Steuere die Bundesregierung der augenblicklichen Entwicklung nicht entgegen, erreiche sie keine Auflösung des Modernisierungsstaues, könne sie ihre Ziele des Klima- und Ressourcenschutzes nicht erreichen.

„Die Sprunghaftigkeit“ des Bundesumweltministers Sigmar Gabriel „haben wir schon erlebt, als er Ministerpräsident war“, meinte Sander. Er zeigte sich bestürzt über die Situation auf dem Markt: „Wir sind stolz auf den Mittelstand, und hier bricht eine ganze Branche ein“. Er wunderte sich, dass sich „die Heizungs- und Sanitärinnung noch so ruhig verhält“. Mit ihr will er Gespräche führen, ebenso mit „seinem“ Ministerpräsidenten.

Bei einem Rundgang überzeugte sich der Umweltminister von der Innovation und der Leistungsfähigkeit des Rasteder Unternehmens.