RASTEDE - Auf dem Weg zur Aula des Herbartgymnasiums kommt Frank Piplat (49) an einem Gang vorbei, der mit einem orangen Stuhl abgesperrt ist. Darauf ein Schild: „Ruhe, Abiprüfung!“. Piplat, heute als Leiter des Informationsbüros für Deutschland des Europäischen Parlaments tätig, fühlt sich 29 Jahre zurückversetzt. Seine Abiklausur in Deutsch schrieb er 1982 in jener Aula, in der er jetzt einen europapolitischen Vortrag hält. Im Auditorium Lehrerin Christiane Haselier, die seine Arbeit damals korrigierte. „Die war schlechter als meine Vornote“, verrät Piplat.
Piplat, geboren in Rastede, war Fahrschüler, als er die Oberstufe an der Schule besuchte, die damals noch Hindenburgschule hieß. „Prägender“, erinnert er sich, „war mein Austauschjahr: Nach der 10. Klasse war ich in New Jersey (USA)“. Vor allem Begegnungen mit Austauschschülern aus aller Herren Länder ließen den Wunsch wachsen, auf internationaler Ebene zu arbeiten. „Nach dem Abi ging ich zum Studium nach Bonn“, erzählt er den Schülern, „in der Bundeshauptstadt machte ich ein Praktikum bei der Vertretung der EU-Kommission“. Mit Folgen. Heute verantwortet Piplat die Öffentlichkeitsarbeit des EU-Parlaments in Deutschland mit Büros in Berlin und München. Das sei nicht immer einfach, bekennt er: „EU-Themen betreffen jeden, aber es fehlen die bekannten Gesichter, um sie in den Medien zu platzieren.“
2014 könnten die anwesenden Schüler bereits alle an der nächsten Europawahl teilnehmen, sagt Piplat. „Das Parlament bestimmt mit über Umweltgesetze, denn Umweltverschmutzung macht nicht an Grenzen halt.“ Diese Gesetze gälten dann in allen 27 EU-Staaten. Das betreffe jeden direkt. Auch wenn Deutschland als Netto-Zahler mehr in die EU einzahle, seien die Vorteile immens: Frieden in Europa, der offene Binnenmarkt, mehr weltweite Konkurrenzfähigkeit – und selbst der umstrittene Euro sei für Deutschlands Export ein Segen. „Die D-Mark kennen Sie doch gar nicht mehr“, sagte Piplat zu den Schülern – doch da protestierten diese heftig,
Adolf Schröder, Vorsitzender Europa-Union/Europäische Föderalisten Oldenburg, hatte Piplat nach Oldenburg geholt. „Der Verein ist immens wichtig für uns“, sagt Piplat, „Europa muss in den Regionen verwurzelt sein.“ Das Oldenburgische beschreibt er so: „Wenn man im Zug merkt, dass die Landschaft immer flacher wird und die Häuser mehr Ziegel als Putzfassaden haben – dann ist man da.“
