Bösel - „Nein heißt Nein“. Auf die Rechte von Frauen in Deutschland haben am Mittwochmorgen Harald Nienaber, Präventionsbeauftragter bei der Polizeiinspektion (PI) Cloppenburg/Vechta, Gerd Binder und Nadine Luttmann von der Polizei Friesoythe in der Flüchtlingsunterkunft Sandker Weg in Bösel hingewiesen. Eingeladen waren Flüchtlinge und Asylbewerber, die in Bösel untergebracht werden. Der Böseler Salah Moussa übersetzte die Ausführungen.

Vor dem Hintergrund des Zuzugs von Asylbewerbern ins Oldenburger Münsterland hatte die Polizeiinspektion in Kooperation mit den Bildungswerken in Cloppenburg und Friesoythe und der Berufsbildenden Schule Am Museumsdorf Cloppenburg ein Präventionskonzept entwickelt mit dem Ziel, mit Asylsuchenden in den Dialog zu treten. Das Projekt – „in dieser Form einmalig“, machte Präventionsbeauftragter Nienaber deutlich – läuft seit Januar.

Welche Rechte und Pflichten haben Polizisten in Niedersachsen? Wie sieht ein Dienstausweis aus? Den könne man sich im Übrigen stets zeigen lassen, falls Zweifel an der Identität bestünden. Über die Arbeit der Beamten, zu denen auch Polizistinnen mit Migrationshintergrund zählten, berichtete Nienaber ferner.

Einen gültigen deutschen Führerschein besitzt zwar keiner der anwesenden Asylbewerber. Gleichwohl machte Gerd Binder deutlich, dass im Falle eines Verkehrsunfalls die Polizei alarmiert werden sollte. An Verkehrszeichen, die die Teilnehmer auf Papier und mit arabischer Übersetzung ausgehändigt bekamen, müssten sich alle Verkehrsteilnehmer halten, sagte Luttmann und mahnte, kleine Kinder im Straßenverkehr zu begleiten.

Die Polizei habe die Pflicht, Straftaten zu verfolgen. 15 001 seien im vergangenen Jahr im Bereich der Polizeiinspektion angezeigt, 60 Prozent davon aufgeklärt worden. Nienaber riet dazu, Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen, gerade, wenn Alkohol im Spiel sei. In Deutschland gebe es das Recht auf freie Ausübung der Religion – „kein Grund, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen“, sagte Gerd Binder. Und auch wenn es das Gesetz in engen Grenzen erlaube, riet Nienaber vom Tragen von Messern oder Schreckschusspistolen ab.

Alkohol und Drogen war weiteres Thema. Respekt gegenüber Frauen forderte Luttmann, „egal ob sie verheiratet ist oder nicht, ob sie 15 oder 50 ist“, ergänzte Nienaber. Die Frau entscheide auch, ob sie mit dem Smartphone fotografiert oder gefilmt werden möchte. In Deutschland gelte schließlich das Recht am eigenen Bild.

Auch im Bereich der PI gebe es „durchaus Fälle von Gewalt gegen Mädchen in der Familie“, sagte der Präventionsbeauftragte weiter und erklärte: Jede Form von Züchtigung und Gewalt gegen Frauen oder Kinder sei verboten, mahnte Nienaber eindringlich.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)