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Salafist attackiert JVA-Beamten  mit Gabeln  – 14 Jahre Haft
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Aktualisiert vor 5 Minuten.

Prozess Vor Dem Landgericht Oldenburg
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NWZonline.de Nachrichten Politik

Rede gegen das Vergessen

09.05.2015

Berlin Am Ende erheben sie sich. Dankbarer und anerkennender Applaus für die Geschichtsstunde. Beifall von den Bundestagsabgeordneten, dem Bundeskabinett auf der Regierungsbank, Ministerpräsidenten und den Spitzen des Staates, den obersten Verfassungsorganen für Erinnerung und Mahnung. 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa am 8. Mai 1945, dem Tag der Kapitulation, spannt Heinrich August Winkler den Bogen von der „Stunde Null“ und dem „Tag der Befreiung“ bis heute, hält eine Rede gegen das Vergessen. Kein Staatsmann, kein Politiker ist es, der die Aufgabe an diesem Tag übernimmt, sondern mit dem 76-Jährigen einer der renommiertesten deutschen Historiker.

Beifall vom ganzen Haus

Die Gedenkstunde im Reichstag – vor 70 Jahren zerstört, jetzt der Sitz des Parlamentes eines vereinten demokratischen und friedlichen Deutschlands –, sie muss gerade für die älteren Zeitzeugen wie ein Glücksfall wirken. „Als die Herrschaft der Nationalsozialisten in einem Inferno ohnegleichen unterging, blieb unklar, ob die Deutschen je wieder vereint würden“, sagt Winkler. Der deutsche Irrweg habe nicht erst mit der Machtergreifung Hitlers 1933 begonnen. Schließlich hätte bereits in der Weimarer Republik ein großer Teil der Gesellschaft das demokratische System abgelehnt und bekämpft. Schließlich hätten die Alliierten unter großen Opfern „die Deutschen von sich selbst befreit“, erklärt der Historiker.

„Unter eine solche Geschichte lässt sich kein Schlussstrich ziehen“, mahnt Winkler und erteilt jenen eine Absage, die nicht mehr erinnert werden wollen. Die deutsche Auseinandersetzung mit der eigenen dunklen Vergangenheit sei längst nicht abgeschlossen und werde es auch niemals sein.

Winkler erinnert an die Worte des deutschen Philosophen Ernst Cassirer, der wegen seiner jüdischen Wurzeln emigriert und wenige Wochen vor Kriegsende im amerikanischen Exil gestorben war. Er hatte Hitlers Aufstieg als Triumph des Mythos über die Vernunft und als Folge einer tiefen Krise gedeutet. Ein Mythos, der nicht wirklich besiegt sei, der nur auf seine Gelegenheit warte und dessen Stunde kommen werde, sobald die bindenden Kräfte im sozialen Leben ihre Kraft verlieren würden. Daher gelte es heute Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus entschieden zu begegnen. Die Lehre müsse sein, „unter allen Umständen die Unantastbarkeit der Würde jedes einzelnen Menschen zu achten“, sagt Winkler und erhält Beifall vom ganzen Haus.

Kein Recht auf Wegsehen

Die historische Schuld und Verantwortung – für Winkler kein Grund für Zurückhaltung und „ein deutsches Recht auf Wegsehen“. Mit den Verbrechen von Hitler-Deutschen lasse sich heute kein Beiseitestehen in internationalen Krisen rechtfertigen. Damit dürfte der Historiker Bundespräsident Joachim Gauck aus dem Herzen gesprochen haben, der sich für ein stärkeres außen- und sicherheitspolitisches Engagement Deutschlands ausgesprochen hat.

Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
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