Reitlanderzoll - Immer mehr Verbraucher greifen im Supermarkt zur Weidemilch. Mit dieser Kaufentscheidung unterstützen sie die Weidehaltung von Milchkühen in der warmen Jahreszeit. Doch sollten Wölfe in der Wesermarsch heimisch werden, könnte es damit ganz schnell vorbei sein.

Davor soll an diesem Sonnabendvormittag eine Demonstration an der Küstenschutzhalle des II. Oldenburgischen Deichbandes in Reitlanderzoll warnen. Gefordert werden „Wolfsfreie Zonen zum Schutz unserer Weidetiere“. Die Veranstaltung beginnt um 10.30 Uhr.

Veranstalter sind die Kreislandvolkverbände Wesermarsch und Friesland, die Landfrauenverbände aus beiden Kreisen, die drei Oldenburgischen Deichbände und der Landesschafzuchtverband Weser-Ems. Deichschützer und Schafzüchter sind dabei, weil es nicht nur um Rinder geht, sondern auch um Schafe – beispielsweise um die Schafe, die die Deiche festtrampeln und damit sicherer machen. Für sie gibt es keinen kostengünstigen Ersatz.

Manfred Ostendorf, der Geschäftsführer der beiden Kreislandvolkverbände, erinnert zudem an die Pensionspferde, mehrere hundert an der Zahl, die auch in diesem Frühjahr wieder aus ganz Deutschland auf die Weiden der Wesermarsch gebracht worden sind. Genau wie Kühe und Schafe wären sie in Lebensgefahr, sollten sich hier dauerhaft Wölfe ansiedeln.

„Wenn hier mal ein Wolf herumstreunt, können wir das wohl verkraften“, sagt Manfred Ostendorf. „Aber unsere große Befürchtung ist, dass sich ein Rudel bildet. Das wäre eine Katastrophe, denn dann müssten wir die Weidehaltung einstellen, und genau das wollen wir nicht.“ Ein Rudel brauche ein Revier von zirka 15- bis 20 000 Hektar, so dass in der Wesermarsch theoretisch Platz für drei Rudel wäre – eine Horrorvorstellung für alle, die Tiere unter freiem Himmel halten.

Manfred Ostendorf macht keinen Hehl daraus, dass Landwirte und Schafzüchter lange gedacht hatten, dass die Wölfe die Küstengebiete meiden und sich eher in waldreichen Regionen ansiedeln würden, wo sie Rotwild, ihre bevorzugte Beute, finden. In früheren Zeiten waren Wölfe an der Küste eher selten. Ostendorf weiß von einem Bericht, der von Wolfsrissen im Jeverland zur Zeit des 30-jährigen Krieges handelt. Jetzt ist der Kreislandvolk-Geschäftsführer nicht wenig überrascht, dass der Harz nahezu wolfsfrei ist, nicht aber die Küstenregionen.

Wolfssichere Zäune würden die Tierhalter technisch und finanziell überfordern, betont Manfred Ostendorf. Denn diese Zäune bräuchten sechs stromführende Drähte, die bis dicht über den Erdboden reichen. Wenn Gras oder Schilf bis zum untersten Draht aufwächst, führt der aber keinen Strom mehr, und dann kann ein Wolf unterdurchkriechen.

„Deshalb sind diese Zäune keine Lösung“, betont Manfred Ostendorf. „Das muss die Gesellschaft wissen, wenn sie sich dafür ausspricht, dass Wölfe auch in der Wesermarsch heimisch werden. Diese Verantwortung trägt nicht nur die Politik, sondern die gesamte Gesellschaft. Darauf wollen wir mit unserer Demonstration hinweisen.“

Der Geschäftsführer der Kreislandvolkverbände rechnet mit 200 bis 500 Teilnehmer. Das gute Wetter mit ersten Erntearbeiten und der Frühjahrsbestellung für den Mais werde viele Landwirte, die sonst gekommen wären, an der Teilnahme hindern, fürchtet er.

Henning Bielefeld
Henning Bielefeld Redaktion Nordenham (Stv. Leitung), Redaktion Stadland