Rethorn - Am Kurpark in Rethorn könnte mittelfristig neues Bauland entstehen – auf dem Grundstück des Hauses Cristina. Das Gelände ist im Besitz der Stiftung des Landes Niedersachsen für berufliche Rehabilitation mit dem BFW Weser-Ems in Bookholzberg und dem BFW Bad Pyrmont sowie der Stiftung des BFW Goslar.
Dass die Eigentümerin offen für eine Vermarktung des Objektes ist, hat Kreis-Sozialdezernent Bodo Bode kürzlich im Kreis-Sozial- und Gesundheitsausschuss auf Nachfrage der Rethorner Kreistagsabgeordneten Marion Daniel (FDP) berichtet.
2015, auf dem Höhepunkt des Flüchtlings-Zustroms, hatte der Landkreis das ehemalige Seminarhaus des Berufsförderungswerkes (BFW, jetzt INN-tegrativ gGmbH) angemietet, um rasch Platz für die Zuwanderer zu schaffen. Das kleinere Gebäude des Komplexes vermietete die Kreisverwaltung damals an die Gemeinde Ganderkesee unter, die es seitdem für Kursangebote der regioVHS nutzt.
Hotel nur kurz bewohnt
Nebenan, im ehemaligen Seminarhotel, zogen im Sommer 2016 die ersten Flüchtlinge ein – und schon im November 2017 die letzten wieder aus. Seitdem steht der Gebäudekomplex, der in den 1970er-Jahren als Kur-Hotel gebaut worden war, bis auf den noch von der regioVHS genutzten Teil, leer. Bis 2025 muss die Kreisverwaltung ihren Mietvertrag erfüllen. Der Abschluss mit einer zehnjährigen Laufzeit war seinerzeit kritisch gesehen worden. Die monatliche Miete beträgt laut Bode „unter 10 000 Euro“. Die Nebenkosten werden demzufolge von der Gemeinde getragen.
Jetzt könnte sich aber eine Lösung ergeben, vorzeitig aus dem Mietvertrag herauszukommen.
Bauland durch Abriss
Es gebe bereits Interesse, auf dem Grundstück nach Abriss der Gebäude Wohnbebauung entstehen zu lassen, sagte Bode und betonte: „Die Immobilie ist abgängig, eine Instandsetzung lohnt nicht.“ Wegen der Lage in der von Einfamilienhäusern dominierten Wohnsiedlung werde es dort wohl keinen geförderten Wohnraum oder Geschosswohnbau geben. Bode: „Ich könnte mir Einfamilienhäuser oder Reihenhäuser vorstellen.“ Auf Nachfrage der NWZ bei der Stiftung des Landes Niedersachsen für berufliche Rehabilitation gab es am Donnerstag aufgrund von Terminengpässen der Geschäftsleitung zunächst keine Auskünfte zu den Überlegungen. Sozialdezernent Bode teilte mit, dass die nächsten Schritte der Abwicklung eingeleitet würden, darunter die Wertermittlung der Liegenschaft und Gespräche mit Interessenten. Sowohl die Kreisverwaltung als auch das Ganderkeseer Rathaus wollen die Pläne laut Bode unterstützen.
Der Sozialdezernent betonte, dass es im Falle eines erneuten massiven Flüchtlingsstroms auch ohne die Rethorner Sammelunterkunft genügend Platz im Landkreis Oldenburg für Zuwanderer gebe. „Wir haben dann noch immer unsere Sammelunterkunft für bis zu 180 Personen in Hude in Reserve.“ Die ehemalige Zählerwerkstatt des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV) am Reiherholz war für die Aufnahme von Flüchtlingen hergerichtet, aber zuletzt nicht mehr genutzt worden.
Wohin mit VHS-Kursen?
Für die Gemeinde Ganderkesee komme der Kauf der Liegenschaft keinesfalls infrage, betonte Meike Saalfeld von der Verwaltung. Der Auszug der regioVHS brächte zwar ein räumliches Problem, jedoch kein unlösbares. Auch regioVHS-Leiter Andreas Lembeck ist zuversichtlich, dass für die bislang in Rethorn veranstalteten Angebote zu Kreativität, Gesundheit und Sprachen neue Standorte gefunden werden können. „Wo das sein könnte, möchte ich lieber erst mit der Kommunalpolitik ausloten“, sagte er auf Nachfrage.
