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NWZonline.de Nachrichten Politik

Rezension: Gegen die politischen Angstunternehmer

24.12.2019

Das Jahr 2019 wird in Erinnerung bleiben als ein Jahr, in dem Angst politisch wirksam geworden ist. Es ist kein Zufall, dass sich ausgerechnet ein Liberaler die neue politische Panik und ihre Protagonisten in einem Buch herzhaft zur Brust genommen hat. Liberalismus bedeutet schon immer Freiheit von politischer Angst und Panik. Der Lang-Essay von Oliver Luksic ist eine Abrechnung mit den „Angstunternehmern“ der aktuellen politischen Landschaft, die überaus plastisch die Gefahren der von diesen Leuten ausgehenden Polarisierung für die offene Gesellschaft zeichnet.

Oliver Luksic (40) ist Vorsitzender der saarländischen FDP und sitzt für seine Partei im Bundestag. Der Mann hat – auch intellektuell – etwas von der Welt gesehen: Ausgebildet wurde Luksic an der Grand école IEP in Paris und am prestigeträchtigen King’s College in London.

Luksics Essay zielt auf das Antiaufklärerische, das er in politischer Hypermoral und Angstkulten manifestiert sieht. Als deren aktuelle Personifizierung identifiziert er Donald Trump und Greta Thunberg. Bei der Thunberg-Begeisterung diagnostiziert er „quasi-religiöse Züge“. Trump hingegen nutze „Angst und Panik meisterhaft aus“. Einwanderer, auswärtige Feinde und linke Verschwörer seien „die Leinwand, die Trump für seine bombastische Erzählung von ,Make america great again‘ aufbaue. Bei Trump und Thunberg sieht Luksic bei allen Unterschieden eine Fülle von Gemeinsamkeiten, die alle auf Irrationalität, Dialogverweigerung, Emotionalisierung und Angstmacherei einzahlen.

Luksic liegt zweifellos richtig, wenn er diese Erscheinungen als „tödlich gefährlich“ für die freiheitliche Gesellschaft, ja für die westliche Demokratie als politisches System beschreibt. Minutiös listet er etwa den grassierenden „grünen Flirt mit Öko-Diktatur und Gewalt“ auf. Da wird deutlich, dass hier eine selbst ernannte, junge Avantgarde ganz offen mit totalitären Konzepten für eine „neue“ Ordnung liebäugelt.

Medizin entdeckt Luksic in klassischen liberalen Tugenden – Kompromissbereitschaft und Dialogfähigkeit etwa. Er will den Universalismus gegenüber den Ansprüchen politisch verwirklichter Gruppenidentitäten gestärkt wissen.

Weil Oliver Luksic uns mit einer „neuen Romantik, die ein neues Zeitalter des Irrationalismus einleitet“, konfrontiert sieht, hält er eine neue Aufklärungsbewegung, eine auf Vernunft basierende Politik und deren Entemotionalisierung für wirksame Gegengifte. Man wünscht sich, dass an dieser Stelle die Freiheit des Einzelnen gegenüber den Herrschaftsansprüchen diverser Gruppen eine größere Rolle gespielt hätte.

Erfrischend angstfrei und furchtlos fasst Luksic seinen Stoff, der im besten Sinne zeitgebunden ist. Das Buch ist ein Augenöffner für die Gegenwart.

Es steht jedoch zu hoffen, dass es bald nur noch als historische Quelle dienen wird, weil die politischen Angstunternehmer, wie Oliver Luksic sie beschreibt, in die Bedeutungslosigkeit verbannt worden sind.

Dr. Alexander Will Leiter Newsdesk / Mitglied der Chefredaktion (Überregionales)
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