Tunke statt Sauce. Frau statt Dame. Der Kampf um die Reinhaltung der deutschen Sprache wogt schon seit Jahrhunderten. Warnen Sprachschützer heutzutage vor zu vielen Anglizismen wie downloaden oder upgraden, Jobhopping oder Moonboots, so waren es im 19. und frühen 20. Jahrhundert eher französische Vokabeln, die nach Überzeugung mancher Franzosenhasser den deutschen Sprachschatz vergifteten.
In seinem neuen Buch „Die Sprachreiniger“ beschreibt der Kölner Germanist Karl-Heinz Göttert (76) diesen aus seiner Sicht bisweilen unheilvollen Krieg gegen Fremdwörter. Er sei im Zeitalter des Nationalismus zu einem Vehikel für Chauvinismus und Fremdenhass geworden. „Nirgendwo entwickelte sich der Sprachnationalismus des 19. Jahrhundertes so rigoros und militant wie in Deutschland“, schreibt Göttert.
Göttert setzt sich insbesondere mit dem „Allgemeinen deutschen Sprachverein“ auseinander, der 1885 von dem Kunsthistoriker und Braunschweiger Museumsdirektor Hermann Riegel gegründet wurde. Riegel habe sich der Verdeutschung aller Fremdwörter verschrieben und alle diejenigen, die sie trotzdem weiterverwandten, mit Hohn und Drohungen gestraft. „Schämen“ sollten sie sich, diese „Vaterlandsverräter“, „Sudler“, die sich am wichtigsten Gut überhaupt „versündigten“, an der „heiligen“ Muttersprache. Für Göttert hatte solche Sprachreinigung wenig Harmloses; über sie ließen sich Emotionen schüren und Hass auf andere Länder wecken. Nach Darstellung des Autors lagen die fanatischen Sprachreiniger auch quer zu Sprachwissenschaftlern wie den Gebrüdern Grimm. Diese waren der Ansicht, dass die Sprache sich frei entwickeln und dadurch Ausdruck der Volksseele sein sollte.
Götterts lebendig geschriebenes Buch blickt in eine ferne Vergangenheit. Doch es geht dem Germanisten auch um Parallelen zur Gegenwart. Zwar sei Sprache nicht mehr ein so polarisierendes Thema, wie sie es einmal war. Doch es gebe heute beispielsweise einen neuen Sprachverein, der „mit dem alten Verfolgungsfuror agiert“, betont er mit Blick auf den Verein Deutsche Sprache in Dortmund.
