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NWZonline.de Nachrichten Politik

Rezension: Viel Aufwand – wenig Erkenntnis

16.12.2019

In der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes (BND) und seiner Vorgängereinrichtung „Organisation Gehlen“ hat die Spionage in der DDR immer eine herausragende Bedeutung gehabt. Das hatte schon damit zu tun, dass die DDR sozusagen ein Loch im Eisernen Vorhang und dem Machtbereich der Sowjetunion darstellte, Deutsche schon wegen der Sprache und relativen Durchlässigkeit der Grenze (bis 1961) es einfach hatten, Informationen zu beschaffen. Ein Tummelplatz für Agenten?

Der Historiker Ronny Heidenreich hat in seinem fundamentalen Werk („Die DDR-Spionage des BND“) mit einem fundamentalen Vorurteil aufgeräumt, dass nämlich die DDR-Spionage des BND Nennenswertes an Erkenntnissen an seine Nutzer vermittelt habe. Die Arbeit ist als Band 11 der Unabhängigen Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes erschienen. Heidenreich beschreibt detailreich und mit vielen Aktenvermerken versehen die Gründung des westdeutschen Nachrichtendienstes ab Frühjahr 1946 unter der Leitung des einstigen Wehrmachtsgenerals Reinhard Gehlen (1902-1979). Weitere Abschnitte sind die unter dem Eindruck des Korea-Kriegs veränderte Bedrohungswahrnehmung der USA gegenüber der Sowjetunion, die wiederum direkte Auswirkung auf die Arbeit des BND hatte. Der Phase des Bundesnachrichtendienstes, der 1956 gegründet wurde und die „Organisation“ ersetzte, schließlich der Phase ab Mauerbau 1961 und bis 1968, dem Ausscheiden Gehlens, sind weitere Kapitel gewidmet.

„Dysfunktional und defizitär“ nennt Heidenreich die Arbeit der Organisation/BND, wobei die Gründe darin zu suchen sind, dass Gehlens Leute viele ehemalige Nazis beschäftigten, keine professionelle Rekrutierung von V-Leuten betrieben, sondern ihre Agentennetze eher locker und dadurch unsicher führten. Probleme bei der Nachrichtenbeschaffung führt Heidenreich häufig an. Von der problematischen Ernährungslage in der Sowjetischen Besatzungszone 1948 stand in den westdeutschen Zeitungen Substanziierteres als in den Berichten der Organisation. Glück hatte Gehlen, als er 1952 die Meldung über die bevorstehende Gründung der Kasernierten Volkspolizei an Kanzler Adenauer weitergab – ungeprüft. Wenige Wochen später wurde sie von der SED-Führung bestätigt. Dabei taten sich Gehlens Anwerber schwer, Innenquellen anzuzapfen, wie Heidenreich nachweist. Heizer auf einem Flugplatz, Putzfrauen und Telefonistinnen. Wenige Top-Quellen hatte die Organisation. Und wenn, wurden die von der Staatssicherheit aufgedeckt, verhaftet und – oft genug zum Tode – verurteilt. Der 17. Juni 1953 war für Gehlen eine Überraschung. Dazu kam Verrat von Geheimdienstoffizieren, eine Verhaftungswelle ab 1953, der die Zahl der V-Leute dezimierte. Auch der Mauerbau war für den BND noch wenige Tage vor dem Ereignis im August 1961 kein Thema: „Ein solcher Schritt“ erscheine „immer unwahrscheinlicher“.

Dafür war der Dienst groß darin, seine Fehlschläge kleinzureden. In der Öffentlichkeit galt er dank seiner eigenen Propaganda als erfolgreich und ernsthafte Bedrohung für den Osten. Erstaunlicherweise änderte sich das nicht, als herauskam, dass der hochrangige BND-Offizier Heinz Felfe, Leiter des Referats Gegenspionage gegen die Sowjetunion als KGB-Agent enttarnt wurde.

Heidenreich hat ein gründliches Werk über ein wichtiges Kapitel der deutschen Teilung vorgelegt, das freilich wegen seiner unglaublichen Detailfülle ein Buch für Spezialisten ist – so interessant die illustren Lebensläufe mancher Akteure und die Kaltschnäuzigkeit der Geheimdienste sind. Seine These, dass die Westspionage den deutschen Teilungsprozess befördert habe, mag man nicht ungeteilt zustimmen. Sie gälte ja auch für die Stasi-Spionage im Westen. Die Spionage auf beiden Seiten waren ja Teile des Kalten Kriegs, der an der innerdeutschen Grenze kulminierte.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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