Rodenkirchen - „Das kleine Kästchen ist das ganze Geheimnis“, sagt Natascha Waidelich und lächelt. Die Digital-Beauftragte der Gemeindeverwaltung sitzt vor einem handelsüblichen Computer-Bildschirm, der dank des kleinen Kästchens eine große Veränderung auslöst. Das Kästchen verwandelt das Gerät nämlich in ein sogenanntes Bürgerportal, das den Stadlandern eine einfache und vor allem sichere Kommunikation mit Behörden, Versicherungen und Geldinstituten ermöglicht. Zudem ist es kostenlos.
Stadland ist Vorreiter
Der Schlüssel dazu ist der maschinenlesbare Personalausweis in Verbindung mit der dazugehörigen PIN, die den Bürgern per Brief von der Bundesdruckerei geschickt wird. Konnten die Bürger zunächst selbst entscheiden, ob sie die Internet-Funktionen des kleinen Plastikkärtchens nutzen wollen, sind diese inzwischen automatisch freigeschaltet. Bürger, die keine Digital-Experten sind, bekommen davon in aller Regel aber nichts mit. Sie können eine wichtige Funktion ihres gar nicht mal so billigen Personalausweises also überhaupt nicht nutzen. Damit soll in Stadland jetzt Schluss sein.
Als eine der ersten Gemeinden weit und breit ist Stadland dem 2014 gegründeten Verein buergerservice.org mit Sitz im fränkischen Ansbach beigetreten. Bei einem Rundgang durch die Computer-Messe CeBIT in Hannover war Natascha Waidelich im Frühjahr auf den Verein aufmerksam geworden und hatte die vielfältigen Möglichkeiten erkannt, die er bietet.
In einer stillen Ecke
Jetzt steht ein Computer-Bildschirm mit dem kleinen Kästchen in einer stillen Ecke der Bücherei im Hochparterre des Rathauses. Wer daran arbeitet, kann es also unbeobachtet tun – Sicherheit von Anfang an. Bürger müssen nur das Gerät durch Umlegen eines Schalters in Betrieb setzen und ihren Personalausweis auf das Kästchen legen. Das Gerät erkennt auch elektronische Aufenthaltstitel – etwa von Bürgern aus Staaten, die nicht der EU angehören, oder von Flüchtlingen. Reisepässe dagegen erkennt es nicht.
Wer sich eingeloggt hat, bekommt direkten Kontakt mit Behörden, Versicherungen und Geldinstituten. Bürger können
„Das spart Wege“, sagt Natascha Waidelich. Zudem spart es die Anschaffung eines eigenen Kartenlesegeräts. Und es ist sicher, wie der Verein buergerservice.org betont. Denn vor jeder Nutzung des Terminals wird die Software aus einem schreibgeschützten Speicher gestartet. Nach der Nutzung wird das Bürgerterminal wieder neu gestartet, um sämtliche Spuren des Nutzers zu beseitigen. Selbstverständlich können die Daten auf einem USB-Stick gespeichert werden, den der Bürger mitbringt.
Nicht nur Spaß im Netz
Dem Verein buergerservice.org geht es nach eigenen Angaben darum, neben dem beliebten Spaß-Internet mit E-Mails, Google, Facebook, WhatsApp und Shopping auch ein Internet für ernsthafte Angelegenheiten zu etablieren – etwa E-Health, E-Government und Smart Services. „Die Fachwelt ist sich sicher, dass wir mit dem neuen Personalausweis und De-Mail international zurzeit die modernsten technischen Voraussetzungen für ein sicheres Internet in der Hand haben“, heißt es auf der Homepage des Vereins. Stadland will diese Möglichkeiten nutzen.
