ROM/BERLIN - Der Vatikan hat eine Erklärung des Papstes zu Missbrauchsskandalen in der Kirche angekündigt. Benedikt XVI. werde sein Schweigen brechen und schon bald in einem Hirtenbrief an die irischen Bischöfe klare Maßnahmen bekanntgeben, sagte der Chef der päpstlichen Akademie für das Leben, Erzbischof Rino Fisichella, dem Mailänder „Corriere della Sera“.
Ob der Hirtenbrief auch auf den sexuellen Missbrauch von Kindern in kirchlichen Einrichtungen in Deutschland eingehen wird, ist unklar. Die Bundesregierung bewertet die bekanntgewordenen Stellungnahmen des Papstes als Rückenwind für die Deutsche Bischofskonferenz bei der Aufklärung.
Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte eine gesamtgesellschaftliche Debatte an, da es nicht nur um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche gehe.
Der stellvertretende Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) sprach von einer schweren Glaubwürdigkeitskrise der katholischen Kirche. Thierse, der auch Mitglied des Zentralkomitees der Katholiken ist, sagte: „Die Kirche muss mit sich ehrlicher und strenger sein; das gilt natürlich auch für den Papst.“
Die Missbrauchsfälle haben nach Einschätzung des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) „zur größten Kirchenkrise seit 1945“ geführt.
