Rostrup - Umwege müssen in den kommenden Tagen noch Wanderer und Radfahrer am Seeufer in Rostrup machen. Wie angekündigt hat ein Unternehmen im Auftrag der Gemeinde damit begonnen, 20 große Pappeln zwischen DLRG-Station und dem Hafen des Fischereivereins zu fällen.
Ob das wirklich nötig war hatten – wie häufig in solchen Fällen – einige Anlieger bezweifelt. Auch Horst Herbert Witt, früherer Leiter der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Rostrup, hatte gegenüber der Gemeindeverwaltung und der NWZ Bedenken angemeldet.
Für die Gemeindeverwaltung stellte gegenüber der NWZ Karl-Heinz Bischoff, Leiter des Tiefbau und Grünflächenamtes, noch einmal klar, dass die Gemeinde sich in diesem Fall nicht nur auf ihr eigenes Wissen sondern auf einen öffentlich vereidigten Sachverständigen verlassen hatte, der den Zustand der Bäume bewertet hatte. Am Dienstag erläuterte zudem Thomas Schurer vom Tiefbau- und Grünflächenamt noch einmal den Zustand der Bäume. An mehreren bereits gefällten Stämmen demonstrierte er, dass diese im Inneren bereits nass und marode seien. Der äußere Ring aus stabilem Holz hätte einer Eiche wohl noch Standfestigkeit gegeben, der viel weicheren Pappel aber nicht.
„Wir haben die Bäume im Sommer für 6000 Euro beschneiden und totes Holz entfernen lassen“, so Schurer. „Trotzdem ist kurz danach ein großer Ast herausgebrochen und hätte fast eine Frau verletzt.“ Dieses Risiko wollte die Gemeinde direkt am viel genutzten Wanderweg nicht mehr eingehen. Und auch die Arbeiter berichteten am Dienstag von riskanten Situationen, Bäume seien während der Arbeit plötzlich auseinandergerissen. Aufgeplatzte Rinde, durch die Feuchtigkeit eindringt und Risse in Astgabelungen waren am Dienstag an den noch verbliebenen Bäumen zu sehen. Gegenüber der NWZ bestätigte am Dienstag auch Witt, dass der Gutachter mit seiner Einschätzung wohl recht gehabt habe. Den ursprünglichen Plan der Gemeinde, statt der Pappeln Eichen zu pflanzen, hält Witt aber nicht für sinnvoll. Er plädiert dafür, wieder auf die schnell wachsende Schwarzpappel zu setzen, hatte aber auch eine lange Liste weiterer Arten, die unter anderem besser auf den Klimawandel vorbereitet seien.
Tatsächlich werde die Gemeinde wohl verschiedene Bäume pflanzen, sagte Thomas Schurer am Dienstag, insgesamt 30 Stück. Die jetzt gefällten Pappeln waren nicht, wie die Gemeinde ursprünglich angenommen hatte, mehr als 100 sondern vermutlich nur rund 70 Jahre alt. Das ergab die Zählung der Jahresringe. Zu retten wären die meisten der Bäume aber trotzdem nicht gewesen.
Zumindest zwei Baumstümpfe sollen stehen bleiben – direkt beim Spielplatz neben der DLRG-Station. Zwischen ihnen wird wieder die sogenannte „Slackline“ gespannt, eine Balancierleine, die jetzt abgebaut ist.
