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NWZonline.de Nachrichten Politik

LKA Niedersachsen ermittelt: Offenbar RAF-Hinterlassenschaften in Seevetal entdeckt

17.01.2021

Seevetal In einem Wald bei Seevetal in Niedersachsen sind in einem Erddepot möglicherweise Hinterlassenschaften der linksterroristischen RAF gefunden worden. In einem vergrabenen Kunststoff-Fass befanden sich unter anderem Schriftstücke aus den achtziger Jahren und Behältnisse mit noch unbekannten Flüssigkeiten, wie das Landeskriminalamt Niedersachsen (LKA) am Samstag mitteilte. Waffen wurden nicht gefunden.

Nach erster Bewertung des Schriftmaterials sei ein Bezug zur RAF nicht auszuschließen, hieß es. „Die Inhalte lassen darauf schließen, dass das Erddepot bereits vor Jahrzehnten angelegt worden sein muss.“

Waldarbeiter hätten das Depot demnach am Freitagnachmittag bei Baumschnittarbeiten gefunden. Ein mobiles Laborteam des LKA Niedersachsen überprüfte den Inhalt des Fasses auf gefährliche Stoffe. Fest stehe: Eine Gefahr gehe von den Flüssigkeiten nicht aus. Aber um welche Flüssigkeiten es sich handelt, sei noch unklar.

Über die gefundenen Schriftstücke – also etwa die Menge oder den Inhalt - konnte das LKA noch keine Auskunft geben. „Es sind Beweismittel, die ins kriminaltechnische Institut gebracht werden, um Spuren zu sichern“, sagte eine Sprecherin am Samstagabend. Möglicherweise seien noch DNA oder Fingerabdrücke nachweisbar. Das Waldgebiet um den Fundort herum wurde weiträumig nach weiteren Depots durchsucht.

Auf Grund des vermuteten Alters der aufgefundenen Gegenstände geht das LKA laut einer Sprecherin nicht davon aus, dass sich aus diesen „Hinweise auf den Aufenthalt der gesuchten Ex-RAF-Terroristen Ernst Volker Staub, Burkhard Garweg und Daniela Klette ergeben werden.“.

Mit diesem Fahndungsplakat sucht das LKA Niedersachsen nach zwei ehemaligen Mitgliedern der Rote Armee Fraktion (RAF), Burkhard Garweg (r) und Ernst-Volker Staub (l). (Archivbild: Julian Stratenschulte/dpa)

Das Trio soll der linksterroristischen RAF angehört haben, sie werden aber auch wegen einer Serie von zwölf Raubüberfällen von 1999 bis 2016 gesucht. Vor fünf Jahren am 18. Januar 2016 wurde bekannt, dass ihre DNA-Spuren bei einem versuchten Überfall auf einen Geldtransport in Stuhr bei Bremen 2015 gefunden worden waren.

Lesen Sie auch: Viele Hinweise, aber keine heiße Spur zu RAF-Terroristen (Artikel vom 13. Januar 2021)

Die Behörden vermuten dabei kein politisches Motiv mehr. Sie gehen davon aus, dass das Trio sich mit Raub Geld für das Leben in der Illegalität verschaffen wollte. Die bislang letzte Tat der Serie ereignete sich im Juni 2016 in Cremlingen bei Braunschweig.

Anfang Mai 2019 hatte das LKA Niedersachsen einen europaweiten Fahndungsaufruf nach Ernst Volker Staub, Burkhard Garweg und Daniela Klette gestartet. Bis zum Januar waren mehr als 200 Hinweise eingegangen – ohne eine heiße Spur.

Die Rote Armee Fraktion (RAF) kämpfte mehr als 20 Jahre mit Gewalt gegen das „imperialistische System“ der Bundesrepublik. Von 1971 bis 1993 töteten Terroristen 34 Menschen, darunter Repräsentanten von Wirtschaft und Politik wie Generalbundesanwalt Siegfried Buback und Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer.

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