ROTTERDAM - Mohammed Aboutaleb (47), aus Marokko stammender Muslim, soll im Januar Bürgermeister der niederländischen Hafenstadt Rotterdam werden. Das beschloss die sozialdemokratische Mehrheitsfraktion im Stadtrat der Wirtschaftsmetropole. Der frühere Stadtrat von Amsterdam und derzeitige Staatssekretär im Sozialministerium würde damit erster „Stadtvater“ islamischen Glaubens in einer niederländischen Großstadt. Seine Berufung gilt als reine Formalität.
Aboutaleb sei „der Prototyp des modernen Sozialdemokraten“, würdigte PvdA-Chef Wouter Bos, Finanzminister in der Regierung von Jan Peter Balkenende, seinen prominenten Parteifreund. Das habe er ab 2004 auch als Stadtrat für Soziales, Bildung und Integration in der Hauptstadt Amsterdam gezeigt. Damals war der Sohn eines islamischen Geistlichen mit beharrlicher, auf Ausgleich bedachten Politik ins Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit getreten. In einer durch den Mord an dem Islamkritiker Theo van Gogh geprägten Zeit hatte er sich durch eine Politik des Ausgleichs rasch einen Namen gemacht.
Die Entscheidung der Sozialdemokraten für Aboutaleb wurde am Freitag in der niederländischen Politik heftig diskutiert. Dabei spielte eine wichtige Rolle, dass er sich gegen den christdemokratischen Mitbewerber Gerd Leers, den Bürgermeister von Maastricht, durchsetzen konnte. Zudem wurde vielfach darauf verwiesen, dass in den vergangenen Jahren in Rotterdam immer wieder Aufbegehren gegen den hohen Anteil an muslimischen Ausländern laut geworden war.
