Hude/Oldenburg - Mit einem grausamen Kapitel deutscher Geschichte befasst sich der erste Vortag einer Reihe zur Geschichte und Ethik der Medizin, die von der Carl-von-Ossietzky Universität Oldenburg in Kooperation mit dem Behindertenbeirat der Stadt Oldenburg durchgeführt wird.

Gegenstand des Vortrags sind die sogenannten Krankenmorde in der Zeit des Nationalsozialismus. Eine bundesweite Studie untersucht die Folgen der Krankenmorde, unterschieden wird dabei nach den vier Besatzungszonen. In Oldenburg, als Forschungsstandort für die britische Zone, ging der Forschungsauftrag an Medizinhistoriker Dr. Ingo Harms.

Er geht in seinem Vortrag auf verschiedene Fragen zum Thema Oldenburgische Medizin in der Nachkriegszeit ein, unter anderem darauf, wie die Besatzungsbehörden auf die NS-Euthanasie reagierten, wie die Öffentlichkeit und Ärzte untereinander damit umgingen, und nicht zu letzt, was die Justizbehörden zur Strafverfolgung unternahmen.

Speziell zur Lage im Oldenburg der Nachkriegszeit wird Harms sich mit dem Gertrudenheim, Kloster Blankenburg und der Anstalt Wehnen, und deren Bemühungen zur Aufklärung der Angehörigen befassen.

Schon seit mehr als 20 Jahren beschäftigt sich Ingo Harms mit der Medizingeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Er ist Leiter und Mitbegründer der Forschungsstelle Geschichte der Gesundheit- und Sozialpolitik (GGS) am Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik der Universität Oldenburg. Er hat bereits zahlreiche Forschungsergebnisse zum Thema veröffentlicht.

Der erste Vortrag der Reihe findet am Mittwoch, 24. Oktober, im Kulturzentrum PFL, Peterstraße 3 in Oldenburg, um 19 Uhr statt. Ein Gebärdendolmetscher und eine mobile Hörschleife werden vor Ort zur Verfügung stehen. Am Donnerstag, 21. Februar, wird die Reihe fortgeführt mit einem Vortrag über Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik von Dr. Michael Wunder aus Hamburg. Weitere Themen und Referenten der Vortragsreihe sind: „Tuberkulose und Krankenmord in Oldenburg“, von Historiker Dr. Alfred Fleßner, „Psychiatrie und Krieg. Sozialdarwinismus, Rassenhygiene und Psychiatrie im Ersten Weltkrieg“, von Kulturwissenschaftlerin Dr. Maria Hermes, „Rassenhygienische Gesundheitspolitik im Nationalsozialismus: Das Beispiel Friesland“, von Historiker Dr. Martin Finschow, „Die Gesundheitsämter im Nationalsozialismus“, von Oberstadtdirektor a.D. Dr. Norbert Boese sowie „Volkskörper und Frauenbauch – Spätabtreibungen als Dilemma im Diskurs über Selbst-Bestimmung. Ein Erfahrungsbericht“ von Historikerin Dr. Magdalene Heuvelmann.