Wildeshausen - Erika Roggemann versteht die Welt nicht mehr: „Ich wohne seit 51 Jahren hier“, sagt die Anliegerin des Ochsenbergwegs in Wildeshausen. „Die Straße ist in gutem Zustand und wird noch weitere 20 Jahre halten“, ist die 73-Jährige überzeugt. So sehen es auch die meisten Anlieger, die am Mittwochabend Vertreter aus Politik und Verwaltung, an der Spitze Bürgermeister Jens Kuraschinski, zum Besichtigungstermin eingeladen haben.

Im Januar 2013 hatte die Politik den Erstausbau eines gut 600 Meter langen Teilstückes zwischen Waldsiedlung und Stadtgrenze beschlossen. Das Problem: Die Anlieger sollen 90 Prozent der Kosten von geschätzten 360 000 Euro bezahlen. Während auf Anlieger wie Roggemann hohe Beträge im fünfstelligen Bereich zukommen, würde der Eigentümer der Waldfläche an der nordwestlichen Straßenseite nicht zur Kasse gebeten. Bereits bei einer Anliegerversammlung kochten (wie berichtet) die Emotionen hoch.

„Wir brauchen den Ausbau nicht“, betont am Mittwoch auch Anlieger Peter Funk. Er appelliert an die Fraktionen, ihren Beschluss von 2013 zu überdenken. Einen Kompromiss bringt Bauausschuss-Vorsitzender Hartmut Frerichs (SPD) in Spiel: Die Verwaltung solle die Kosten für eine einfache Bitumenschicht errechnen. Darüber könne man im Frühjahr erneut beraten. Auch Manfred Rebensburg (Grüne) kann sich eine Lösung nach dem Vorbild in Holzhausen, wo die Ortsdurchfahrt mit einer dünnen Asphaltschicht überzogen wurde, vorstellen. Im Grunde sei der Ochsenbergweg eine Sackgasse, in die nur Anlieger fahren. Rebensburg bringt sogar Variante 3 ins Spiel: überhaupt nichts machen.

Bürgermeister Kuraschinski sagt zu, dass die Verwaltung die Kosten einer Mini-Lösung à la Holzhausen ermitteln werde. Letztlich müsse die Politik entscheiden. Roggemann und die meisten Anlieger können mit dem Kompromiss gut leben.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent