Pretoria - Die 18-jährige Theresa will 67 Minuten beten. Die Lehrerin Frida Seshoko will mit ihren Schülern Plakate malen. Und die 22-jährige Siwebonga weiß es noch nicht, „denn es fühlt sich an, als wäre die Zeit stehengeblieben“. Sie stehen in Pretoria vor einer Wand aus Fotos, Briefen und Blumen und denken darüber nach, wie sie am kommenden Donnerstag die Welt ein bisschen besser machen können.

67 Minuten soll jeder in Südafrika am 18. Juli für die Gemeinschaft arbeiten. Es ist der Geburtstag des Nationalhelden Nelson Mandela – ein Tag, der an Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit erinnern soll.

Seit einem Monat liegt Südafrikas früherer Präsident im Krankenhaus in Pretoria. Am Donnerstag wird der Friedensnobelpreisträger 95 und viele fürchten, es könnte sein letzter Geburtstag sein. Nach Angaben der Ärzte ist sein Zustand „kritisch, aber stabil“. Am Leben gehalten wird Mandela aber offenbar nur noch von Maschinen.

Inzwischen hängen die Plakate mit guten Wünschen am Zaun vor dem Krankenhaus in mehreren Lagen. Jeden Tag werden es mehr. „Ich gehöre zur Generation der in Freiheit Geborenen – dank dir“, hat ein Jugendlicher geschrieben. Zu den Genesungswünschen und Abschiedsgedichten der vergangenen Wochen sind nun auch Botschaften zum Geburtstag gekommen.

Die Vereinten Nationen haben den 18. Juli vor vier Jahren zum „Mandela-Tag“ erklärt, um an den Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit zu erinnern. Die UNO und die Mandela-Stiftung rufen auf, die Welt ein bisschen besser zu machen. 67 Minuten soll jeder am Mandela-Tag etwas für die Gemeinschaft tun. Die Regierung Südafrikas will am Donnerstag einen neuen Ausweis für alle Südafrikaner einführen und damit symbolisch die Ära der Pass-Bücher beenden, mit denen während der Apartheid der Zugang zu Stadtvierteln geregelt wurde.

An einem Sonntag im Februar 1990 wurde Mandela, der seit 1942 politisch gegen Rassismus gekämpft hatte, nach 27 Jahren Haft freigelassen. Er verhandelte mit dem Apartheid-Regime und trug zum Ende der Rassentrennung bei. 1993 erhielt er zusammen mit dem weißen Präsidenten Frederik Willem de Klerk den Friedensnobelpreis.

Weltweit wird „Madiba“, wie Mandela in Südafrika genannt wird, verehrt. Und aus aller Welt kommen Glückwünsche zu seinem 95. Geburtstag. In einem Video zollen Persönlichkeiten dem alten Mann ihren Respekt. „Meine tiefe Bewunderung, er war ein großer Mann“, erklärt der Dalai Lama.

Eine Woche vor seinem Geburtstag kommt eine Gruppe früherer Boxer zum Krankenhaus-Eingang. Nelson Mandela hat selbst geboxt. Der Kampf sei noch nicht beendet, sagt Moses Sithebe von der Vereinigung der Box-Veteranen. „Wir hoffen, dass er hundert wird.“