Nur noch rund vier Monate sind es bis zur Landtagswahl in Niedersachsen. Vier Monate, in denen die Opposition alles versuchen wird, den Rückstand in den Umfragen aufzuholen. Der Vorsprung der CDU/FDP-Koalition gegenüber SPD und Grünen scheint wie zementiert. Auch beim Direktvergleich mit Ministerpräsident Christian Wulff liegt SPD-Herausforderer Wolfgang Jüttner offenbar hoffnungslos zurück.

Selbst Fehler der Regierung wie beim Nichtraucherschutz haben nicht den erhofften Umschwung gebracht. Mit seiner Wende beim Gesamtschulverbot hat Wulff der SPD einen weiteren Trumpf entrissen. Jüttner, dem Inhalte in der Regel wichtiger sind als Personen, wollte im Wahlkampf vor allem die Karte Bildung spielen. Ob die SPD mit dem Untersuchungsausschuss zum Jade-Weser-Port punkten wird, muss sich noch erweisen.

Wenn Jüttner jetzt noch Asse aus dem Ärmel zaubern kann, dann sind es die Schattenminister. Die Berufung des früheren „Verdi“-Landeschefs Wolfgang Denia hat für Aufsehen gesorgt. Denia soll auf dem linken Flügel verlorenes Terrain zurückerobern: frustrierte Sozialdemokraten und Gewerkschafter, die zur Linken übergelaufen sind oder gar nicht mehr wählen wollen.

Doch Sozialdemokraten wissen spätestens seit der Schröder-Ära, dass Wahlen vor allem in der Mitte der Gesellschaft gewonnen werden. Die Personalie Jochen Hahne zielt in diese Richtung. Der erfolgreiche Unternehmer soll dem umworbenen Mittelstand die SPD-Wirtschaftspolitik schmackhaft machen. Als Alternative zum umstrittenen Amtsinhaber Walter Hirche deckt er den zweiten Wahlkampfschwerpunkte der SPD ab. Dass Hahne der Stallgeruch fehlt, könnte eher förderlich sein. Man darf gespannt sein, was der Unternehmer inhaltlich zu bieten hat. Er ist ein Ass, das stechen kann.

Jüttner wird für die restlichen Themenfelder wohl Frauen aufbieten, um bei den weiblichen Wählern zu punkten. Wenn das Team komplett ist, liegen alle Karten des Herausforderers auf dem Tisch. Es dürfte so oder so schwer genug werden, die Partie noch zu gewinnen.

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