Passau - „Asyl“. Dieses Wort kennen die meisten Flüchtlinge aus dem Kosovo. Zu Tausenden kommen sie über Ungarn und Österreich nach Deutschland. In ihrer Heimat sehen sie keine Perspektive, haben keine Arbeit und kein Geld für die Heizung im Winter. Das Wort „Asyl“ ist ihre Chance auf einen monatelangen Aufenthalt in Deutschland mit warmer Unterkunft und Sozialleistungen. In Bayern strömen die Menschen illegal über die Grenze – die Polizei ist machtlos.

Ein Student aus dem Kosovo sitzt im Vernehmungszimmer der Bundespolizeiinspektion Freyung in Passau. Auch er kann nur ein einziges Wort Deutsch: „Asyl“. Dann hilft die Dolmetscherin. Die serbische Polizei in seinem Heimatort mache ihm Probleme, schildert der 19-Jährige. Er suche Sicherheit und ein „besseres Leben“. Zu Hause wurde ihm gesagt, er bekomme bis zu 150 Euro Begrüßungsgeld.

„Die Flüchtlinge kommen gut vorbereitet nach Deutschland. Sie wissen genau, was sie sagen dürfen und was sie verschweigen müssen“, sagt Bernd Jäckel von der Bundespolizei. Informationen über die Hintermänner der Schleuser erhält er selten. Die Angst der Flüchtlinge um ihre Familien daheim ist zu groß. Sie wissen um die mafiösen Strukturen der Schleuser.

„Das Schleusergeschäft ist lukrativer als Drogenhandel“, sagt Fahnder Martin Wiese. Mit seinem Kollegen sitzt er im Dienstwagen an der A3 bei Passau und beobachtet die Autos, die vorbeirauschen. Kommt ihnen ein Fahrzeug verdächtig vor, rasen sie hinterher und kontrollieren. Vergangene Nacht haben sie 40 Kosovaren aufgegriffen. „Viele verkaufen ihr Hab und Gut, um die Schleuser zu bezahlen“, erklärt Wiese. Bis zu 2000 Euro kostet die illegale Fahrt.

Die kriminelle Energie und der Einfallsreichtum der Schleuser ist enorm. Sie schicken Köderfahrzeuge voraus, in der Hoffnung, dass die Polizei diese kontrolliert. Dann ist der Weg frei für den eigentlichen Transport. Nach Angaben Polizeigewerkschaft gelangten so 35 000 Kosovaren in die EU – allein 2015.

Der Kosovo gilt als Armenhaus Europas. Das erhoffte Asyl bekommen die Flüchtline in Deutschland zwar nicht, nur 0,3 Prozent der Anträge werden anerkannt. Aber sie haben für den Winter eine warme Bleibe, Essen und Sozialhilfe, bis über den Antrag entschieden wird. Dies dauert derzeit etwa sechs Monate.

„Wir können unsere Aufgaben nicht mehr bewältigen“, klagt der Thomas Lang,Leiter der Bundespolizeiinspektion Freyung. „Erst die Flüchtlingswelle aus Syrien und nun aus dem Kosovo, wir bräuchten das Vierfache an Personal.“