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NWZonline.de Nachrichten Politik

Schöner Glanz des Kandidaten

24.08.2005

BERLIN

und Alfons Pieper BERLIN - Vielsagendes Schweigen begleitet die Nominierung von Bundeskanzler Gerhard Schröder für den Friedensnobelpreis. Im sonst so redseligen Berlin haben alle Seiten gute Gründe, sich zurückzuhalten. Insbesondere die Bundesregierung. Ihr Sprecher Bela Anda sagt, dass er keine Erkenntnisse über den Vorschlag für den Friedensnobelpreis habe und nennt damit einen von drei guten Gründen. Niemand weiß, ob die Nachricht wirklich stimmt, dass Schröder wegen seiner Ablehnung des Irak-Krieges neben 165 weiteren Personen und 33 Organisationen auf der Vorschlagsliste für den angesehensten Preis der Welt steht. Das Osloer Nobelkomitee jedenfalls mochte weder bestätigen noch dementieren.

Den zweiten guten Grund liefert die Tatsache, dass Schröder den Preis noch nicht hat. Die Entscheidung fällt erst am 14. Oktober. Der dritte gute Grund liegt in dem Umstand, dass die Nachricht so passend in den Wahlkampf platzt, dass jedes freudige Wort darüber kontraproduktiv wirken müsste.

Die Opposition ist aus ähnlichen Motiven zum Schweigen verurteilt. Wer wie FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt behauptet, das sei doch reiner Wahlkampf, setzt sich dem Verdacht der Missgunst aus. Dass die Nominierung sozialdemokratischer Wahlkampfnot entsprungen ist, kann ausgeschlossen werden. Am 1. Februar war Einsendeschluss für die Vorschläge.

Aber es passt natürlich ins Konzept des „Friedenskanzlers“, den Wahlkampf auch als Nobelpreis-Kandidat zu bestreiten. Automatisch erwachen Erinnerungen an Willy Brandt, dem der Preis 1971 zuerkannt wurde. Seinerzeit stand Brandt wegen seiner Versöhnungspolitik gegenüber dem Osten im Fegefeuer der Kritik der Union. Sie bezichtigte ihn des „nationalen Ausverkaufs“, manche Medien unterstellten dem Nobelkomitee gar Bestechlichkeit. Als Brandt den Preis für seine Ostpolitik erhielt, war die Union mit ihrer Kampagne am Ende. Brandt überstand ein konstruktives Misstrauensvotum, die SPD erzielte bei der folgenden Bundestagswahl mit 45,8 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis.

Eine gewisse Nervosität auf Seiten der Union lässt sich nachvollziehen. Bis zur Wahl kann Schröder den Glanz des Nobelkandidaten genießen, auch wenn es ihm danach so ergehen sollte wie Helmut Kohl. Dem Altkanzler blieb der Preis verwehrt, obwohl er mehrmals vorgeschlagen worden war. Schröders Nominierung rückt nicht allein sein Nein zum Irak-Krieg wirkungsvoll in den Blickpunkt, sondern auch die Haltung seiner Herausforderin Angela Merkel. Unter der Überschrift „Schröder spricht nicht für alle Deutschen“ bekundete die CDU-Vorsitzende im Februar 2003, kurz vor dem Beginn des Irak-Krieges, ihre Solidarität mit US-Präsident George W. Bush in der „Washington Post“. Die überwiegende Mehrheit der Deutschen aber teilte und teilt Schröders Kriegsverweigerung.

Wer den Kanzler nominiert hat, wird man nach den Gesetzen der Nobel-Stiftung nie erfahren. Der Literaturpreisträger Günter Grass aber muss zumindest eine Vorahnung gehabt haben. Am Montagabend sagte er, dass er in Schröder einen Kandidaten sehe. Tags drauf kam die passende Nachricht auf den Markt.

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