SCHORTENS - Hundehalter in Schortens dürfen ihre Vierbeiner in der Parkanlage Hohe Gast in Ostiem sowie in den Anlagen „Am Park“ und „Brauerweg“ in Heidmühle und in den Grünanlagen Steinseifersdorfer Straße und Arnoldsdorfer Straße in Middelsfähr künftig unangeleint ausführen. Allerdings gelten zeitliche Einschränkungen: Von 9 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 19 Uhr müssen Hunde dort an die Leine.
Auf diesen Kompromiss zum seit Wochen in der Öffentlichkeit heftig umstrittenen Leinenzwang haben sich die Ratsmitglieder am Donnerstagabend im Bürgerhaus nach langer Diskussion verständigt.
Weitere Parks profitieren
Mit der nun gefundenen Regelung kann sich offenbar auch die Mehrheit der anwesenden 45 Hundehalter anfreunden. Unmutsbekundungen hielten sich in Grenzen. Von einem „Schritt in die richtige Richtung“ war die Rede.
Ging es bisher immer nur um die Hohe Gast, wo Hundehalter die alte Regelung zurückhaben und ihre Hunde wieder leinenlos ausführen wollen, so profitieren nun auch die übrigen Parks von der Regelung. Dort galt bisher der Leinenzwang.
Weiterhin angeleint werden müssen Hunde im Klosterpark – der ist wie der Upjeverschen Forst Wildschongebiet. Auch im Ortskern entlang der Menkestraße vom Bürgerhaus bis in die Bahnhofstraße zur Kreuzung B 210 gilt aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens weiterhin Leinenzwang. Unverändert dürfen Hundehalter in den Wohngebieten ihre Hunde ohne Leine ausführen. Der Huntsteert ist zudem als Freilauffläche ausgewiesen.
Insgesamt vier Stunden lang hat der Stadtrat getagt, hat die Besucher anfangs mit Ausführungen zur Geschäftsordnung und Monologen zur Gemeindehaushaltskassenverordnung gelangweilt, bis es nach einer Stunde in der Hundedebatte zur Sache ging.
SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Torkler wähnte in dem CDU-Vorschlag des zeitlich geregelten Freigangs für Hunde anfangs noch Hinterlist: „Das wollt Ihr nur, damit Eure Hunde-Sheriffs keine Überstunden machen müssen und gezielt auf Pirsch gehen können“. Mike Schauderna (Linke) kritisierte, dass die Stadt Schortens sehr viel Geld ausgebe, um ihr Image aufzupolieren, und es mit der unseligen Diskussion um Leinenzwang und Bußgelder wieder zunichte mache.
Karl-Heinz-Groenhagen (SPD) kommentierte die ins Absurde abdriftende Debatte um Größe und Häufigkeit von Hundehaufen und angebliche Problemhunde mit einem Gedicht nach Wilhelm Busch.
Da platzte CDU-Fraktionsvorsitzendem Axel Homfeldt der Kragen: Er warf der SPD vor, die Sorgen und die Verärgerung der Bürger ins Lächerliche zu ziehen. Janto Just (BfB) erwiderte, dass die CDU diese Ängste erst künstlich geschürt habe.
Klare Regelungen für alle
Homfeldt machte klar, dass es seiner Fraktion um einen Interessenausgleich gehe: „Es gibt nun mal Menschen in Schortens, die haben Angst vor Hunden oder wollen beim Spazierengehen und Joggen in den Grünanlagen der Stadt nicht von unangeleinten Hunden angesprungen werden. Wir müssen endlich für alle Bürger klare Regelungen finden.“ Nach Sitzungsunterbrechungen und kleinen Nachbesserungen wurde dem Kompromissvorschlag der CDU letztlich zugestimmt.
Allerdings gegen die Stimmen von SPD, BfB, Linke und Grüne sind nun auch die ordnungsrechtlichen Kontrollen und Verwarngelder in Bezug auf die Hundehaltung beschlossene Sache. Wer gegen die Anleinpflicht verstößt oder Hinterlassenschaften seines Hundes nicht beseitigt, soll künftig mit Verwarn- und Bußgeld gestraft werden.
Bürgermeister Gerhard Böhling betonte, dass zusätzliche Kontrollen auch zusätzliches Personal bedeute. Wie berichtet, sind dafür 400-Euro-Kräfte vorgesehen.
Ralf Thiesing (CDU) erklärte, das man Ordnungsrecht, dass man nicht kontrollieren wolle, gleich ganz bleiben lassen könne: „Wenn jeder machen darf, was er will, dann brauchen wir auch keine Behindertenparkplätze oder Tempo-30-Zonen einzurichten.“
