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NWZonline.de Nachrichten Politik

Unwetter in Deutschland: Merkel verspricht Hochwasseropfern Hilfe – Laschet ruft zu Gipfel auf

19.07.2021

Schuld /Bad Reichenhall Nach den verheerenden Unwettern in Westdeutschland hat sich Kanzlerin Angela Merkel bei einem Besuch im Katastrophengebiet erschüttert gezeigt und schnelle Hilfen versprochen. Es herrsche eine „surreale, gespenstische Situation“, sagte die CDU-Politikerin am Sonntag nach einem Rundgang durch die Eifelgemeinde Schuld, wo die Fluten Trümmerberge und zerstörte Häuser hinterließen. Anschließend besuchte sie mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) den nahe gelegenen Ort Adenau, der ebenfalls schwer getroffen wurde.

Die Zahl der bestätigten Todesopfer in Deutschland stieg am Wochenende auf fast 160. Während die Wassermassen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen vielerorts zurückgingen und die Aufräumarbeiten laufen, verursachten heftige Regenfälle in Südostbayern, in der Sächsischen Schweiz und in Österreich weitere Überschwemmungen und Erdrutsche. Sie hatten zwar nicht die Ausmaße wie im Westen – allerdings ist in Bayern keine Entspannung in Sicht.

Katastrophenfall im Berchtesgadener Land

Im besonders betroffenen oberbayerischen Landkreis Berchtesgadener Land galt auch am Sonntag noch der Katastrophenfall. Zahlreiche Häuser wurden evakuiert. Nach Prognosen des Deutschen Wetterdienstes sollte es im Alpenraum bis in die Nacht zum Montag weiter regnen. Dadurch drohen laut Hochwasserdienst auch in anderen Regionen in Bayern Hochwasser und Überschwemmungen, etwa in Passau. Extreme Sturzfluten in einigen Regionen schließen die Meteorologen nicht aus. Auch in Österreich blieb die Hochwasserlage am Sonntag angespannt.

In Rheinland-Pfalz machten sich Merkel und Dreyer vor Ort ein Bild der Lage und redeten mit Einsatzkräften und Anwohnern. Schuld im Ahrtal und auch das knapp zehn Kilometer entfernte Adenau waren von Wasser-, Schlamm- und Trümmermassen erfasst worden. Beim Rundgang in Schuld tröstete die Kanzlerin den weinenden Bürgermeister Helmut Lussi. Merkel sagte auf der Pressekonferenz, Deutschland sei ein starkes Land und könne sich kurz- und mittelfristige Hilfen leisten. „Wir stehen an Ihrer Seite.“ Zudem werde man das Klima stärker in den Blick nehmen.

Schwerste Hochwasserkatastrophe seit Jahrzehnten

Die Hochwasserkatastrophe ist die schwerste in Deutschland seit Jahrzehnten. Vor allem im Westen Deutschlands hatte es Mitte der Woche ungewöhnlich heftig geregnet. Zum Teil gab es innerhalb von 24 Stunden so viel Niederschlag wie sonst in ein oder zwei Monaten. Viele Häuser, Straßen und Brücken liegen in Trümmern. Auch der Bahnverkehr ist vielerorts unterbrochen.

Nach wie vor gibt es Vermisste. So suchen in Erftstadt westlich von Köln zahlreiche Menschen nach ihren Angehörigen. Bisher wurden nach Angaben der Stadt bei der „Personenauskunftsstelle“ 34 Menschen gemeldet, deren Aufenthaltsort ungewiss ist. Noch am Samstag lag die Zahl bei 59. Im Stadtteil Blessem, wo die Lage weiter angespannt war, wollten Fachleute die Stabilität des Untergrunds prüfen. Dort war durch die Fluten ein riesiger Krater entstanden. Mindestens drei Wohnhäuser und ein Teil einer Burg stürzten ein.

Rückschlag an der Steinbachtalsperre

Einen Rückschlag gab es an der Steinbachtalsperre südwestlich von Bonn. Dort fließt das Wasser langsamer als erwartet ab. Erst am Montag wollen Fachleute entscheiden, wann die Menschen in den evakuierten Gebieten in ihre Häuser zurückkehren dürfen.

Nach Worten von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) geht es um Soforthilfen in dreistelliger Millionenhöhe. „Es braucht einen nationalen Kraftakt“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Am Mittwoch will der Vizekanzler im Kabinett zwei Dinge behandeln: „Erstens eine Soforthilfe, bei der letzten Flut waren dafür deutlich mehr als 300 Millionen Euro nötig. Da wird jetzt sicher wieder so viel gebraucht.“ Zudem geht es nach seinen Worten um die Grundlage für ein Aufbauprogramm, um Häuser, Straßen und Brücken zügig zu reparieren. „Wie wir von der vorherigen Katastrophe wissen, geht es um Milliarden Euro.“

Überschwemmungen und Erdrutsche in Sachsen

Immense Regenfälle verursachten am Samstag auch in Teilen Sachsens Überschwemmungen und Erdrutsche. Örtlich fielen innerhalb von 24 Stunden mehr als 100 Liter pro Quadratmeter. In der Sächsischen Schweiz waren mehrere Ortslagen von Städten und Gemeinden vorübergehend nicht erreichbar. Am Sonntag entspannte sich die Lage.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) will noch in dieser Woche mit den von der Unwetter-Katastrophe betroffenen Kommunen über Finanzhilfen beraten. Das sagte er am Sonntagabend in einer Fernsehansprache im WDR laut vorab veröffentlichtem Redemanuskript.

Auch mit dem Bund werden Gespräche geführt. „Eine Katastrophe von nationaler Tragweite braucht auch eine schnelle nationale Antwort“, sagte der Kanzlerkandidat der Union. „Daran arbeite ich unter Hochdruck mit den Kolleginnen und Kollegen in der Landes- und der Bundesregierung.“ Außerdem wolle er mit den Kommunalvertretern zusammenkommen, „um zu beraten, wie wir die Finanzhilfen ausgestalten, um schnell unsere Heimat wiederaufzubauen“.

„Der Wiederaufbau wird Monate, ja Jahre dauern.“

Laschet machte klar, dass die Beseitigung der Schäden ein Kraftakt wird. „Als Land tun wir alles, um jetzt die direkten Auswirkungen der Katastrophe in den Griff zu bekommen.“ Die Krisenstäbe tagten rund um die Uhr. „Die Wunden dieser Tage werden wir aber noch lange spüren“, sagte der Christdemokrat. „Der Wiederaufbau wird Monate, ja Jahre dauern.“

Als Konsequenz aus der Hochwasserkatastrophe fordert er mehr Vorsorge gegen Extremwetter. „Wir müssen Dämme bauen, Rückhaltebecken, Wasserreservoirs, Flächen renaturieren – Schutz nicht nur am Rhein, sondern auch an den großen und den vielen kleinen Flüssen überall im Land“, sagte Laschet. „Kurz: Natur, Umwelt, Leib und Leben schützen – quasi das Immunsystem unserer Heimat stark machen, damit wir besser gegen Wetterextreme gewappnet sind.“

Folge des Klimawandels

Die Häufigkeit und die Wucht solcher Katastrophen seien auch eine Folge des Klimawandels, bekräftigte Laschet. „Den müssen wir hier und weltweit schneller und konsequenter bekämpfen. Das Klima gewährt keinen Aufschub.“

Nach Plünderungen im vom Unwetter getroffenen Eschweiler bei Aachen sitzen drei Verdächtige in Untersuchungshaft, wie Laschet erklärte. Eschweiler ist besonders hart von den Auswirkungen des Hochwassers betroffen. „Es macht mich daher wütend, wenn ich höre, dass gerade jetzt Menschen in ihre verwüsteten Häuser zurückkehren und feststellen, dass Plünderer das wenige gestohlen haben, was ihnen noch geblieben ist“, sagte der Ministerpräsident.

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