Friesoythe/Berlin - Er kam, nahm Platz und plauderte aus dem Nähkästchen: So ungezwungen kann es zugehen, wenn man auf den höchsten Repräsentanten des Staates trifft.
Rund fünf Minuten hat diese „Tischbegegnung“ im Leben von Birgit Kamphaus gedauert. Doch die 47-jährige Mitarbeiterin des Malteser Hospizdiensts Friesoythe schwärmt noch immer von dem charismatischen Auftreten des neuen Bundespräsidenten, der sie und 4000 weitere ehrenamtlich engagierte Menschen aus ganz Deutschland am Sonnabend in seinen Amtssitz auf Schloss Bellevue eingeladen hat.
„Joachim Gauck ist wirklich so, wie man ihn aus den Medien kennt“, schwärmt die Friesoytherin und meint damit, dass sie ihn von einer sehr volksnahen, sympathischen und humorvollen Seite erlebt habe. Tochter Anne, die ihre Mutter in die Hauptstadt begleitet hat, hat schnell noch einen Schnappschuss der beiden fürs Familienalbum gemacht – Momente wie diese gibt es schließlich nicht allzu viele.
Anfang Juni flatterte der Straßenmeisterei-Angestellten die Post mit der Einladung ins Haus. Ganz überraschend kam die allerdings nicht: „Die Malteser haben mich bereits zuvor gefragt, ob ich mir vorstellen könne, an der Feier in Berlin teilzunehmen.“
Warum die Wahl auf Birgit Kamphaus und nicht auf eine ihrer Hospizdienst-Kolleginnen fiel, hat ebenfalls eine Vorgeschichte: Die Friesoytherin wurde von den Maltesern für den Deutschen Engagementspreis vorgeschlagen. Im Oktober wird diese Auszeichnung von der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel verliehen. „Eigentlich hätten wir gerne alle Ehrenamtlichen nominiert“, sagt Christa Baumann, die stellvertretende Koordinatorin des Hospizdiensts. Das sei aber schlecht gegangen. Weil sie sich auf ganz vielfältige Weise einsetze, habe man sich schließlich für Birgit Kamphaus entschieden.
Mag sein, dass die Begegnung mit dem Bundespräsidenten im Nachhinein so etwas wie eine Generalprobe für das war, was noch kommen könnte. Auf jeden Fall weiß die 47-Jährige nun, wie man sich auf Staatsparkett bewegt und worauf es beim Small Talk mit einem Promienten ankommt.
Allerdings, räumt Birgit Kamphaus ein bisschen schuldbewusst ein, hat sie nicht jeden auch als solchen identifizieren können. „Wolfgang Thierse war da, Philipp Rösler habe ich auch auf dem Fest gesehen, Johannes B. Kerner hat moderiert, aber da ging so ein Schauspieler an mir vorbei. . .“, überlegt sie. „Vom Gesicht kenne ich den, aber sein Name will mir einfach nicht einfallen.“
Egal: Joachim Gauck hat sie jedenfalls erkannt. Mehr noch: Sie haben sich sogar ausgetauscht: über Friesoythe. „Ich war ganz erstaunt, als er sagte, das würde doch bei Oldenburg liegen, wo er mal in der Lambertikirche aufgetreten ist. Er konnte sich sogar noch daran erinnern, dass er dort von Schülern des AMG im Rahmen ihres Deutschunterrichts unterstützt wurde.“
Und dann hat ihm Birgit Kamphaus sogar noch Grüße ausrichten lassen: „Von der Nordwest-Zeitung und einem gewissen Ritter Otto alias Niklas Reinken.“
