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Schwarz/Gelb hat die Bürger provoziert

Christoph Slangen

FRAGE:

Ein Panzerwagen in Flammen, heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei – sind die Castorproteste außer Kontrolle geraten?

ROTH

: Vor dem Zwischenlager Gorleben, wo wir zurzeit unsere Sitzblockade machen, ist es sehr friedlich. Wir haben seit dem Morgen aber beunruhigende Nachrichten über den Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray seitens der Polizei gehört. Es gibt Verletzte. Ich hoffe sehr, dass die Polizei dazu beiträgt, dass deeskaliert wird und dass der Protest friedlich zum Ausdruck gebracht wird.

FRAGE:

Liefern Demonstranten, beispielsweise indem sie die Bahngleise durch „Schottern“ unbrauchbar machen wollen, nicht den Anlass für härteres Auftreten der Polizei?

ROTH

: Wir als Grüne haben nicht dazu aufgerufen. Was bei der Demonstration am Samstag und den Sitzblockaden deutlich wird: Es ist anders als in den Jahren zuvor. Schwarz/Gelb hat einen gesellschaftlichen Konsens aufgerissen und die Bürger provoziert. Der Widerstand ist deshalb viel breiter.

FRAGE:

Dass der Atommüll aus Frankreich zurückgenommen werden muss, zweifeln aber doch auch die Grünen nicht an.

ROTH

: Die Rücknahmepflicht besteht, aber die Frage des Endlagerstandortes ist völlig ungelöst. Es handelt sich um ein strahlendes Erbe aus schwarz-gelben Zeiten. Durch die Laufzeitverlängerung wird Schwarz/Gelb noch weitere 4000 Tonnen verstrahlten Atommüll produzieren. Das Zynische ist, dass eine Laufzeitverlängerung durchgedrückt wird, ohne dass ein möglichst sicheres Endlager zur Verfügung steht. Hier protestieren zum Glück auch viele Menschen aus Baden-Württemberg und Bayern.

FRAGE:

Sind Parolen wie „Atomkraft nein danke“ und „Castor schottern“ nicht etwas wenig . . .

ROTH

: Unser Dagegen-Sein ist ein Dafür zu einer anderen Politik. Die Demonstranten eint ihr Eintreten für erneuerbare Energien. Die Behauptung, die Atomlaufzeitverlängerung diene als Brücke in die Zukunft mit umweltfreundlichen Energien, glaubt niemand. Die Erneuerbaren werden so in den Abgrund gestoßen.

FRAGE:

Bürgerinitiativen vor Ort sehen in der anwesenden Politprominenz „Trittbrettfahrer“. Wie fühlen Sie sich?

ROTH

: Es sind viele Tausende Grüne angereist. Der Widerstand gegen Atomkraft gehört zur grünen Identität seit 30 Jahren. Das ist alles andere als Trittbrettfahrerei.

FRAGE:

Wie geht es nach dem Protestwochenende weiter?

ROTH

: Der zivilgesellschaftliche Widerstand wird nicht nachlassen. Wir hoffen, dass das Bundesverfassungsgericht die Laufzeitverlängerung stoppt. Andernfalls wird die nächste Bundesregierung mit den Grünen dafür sorgen, dass die Energiewende Wirklichkeit wird.
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