Schwei/Seefeld - Schwei wird der Sitz der neuen Grundschule Seefeld/Schwei. Das hat am Donnerstagabend nicht etwa der Gemeinderat entschieden, sondern das Los.
Es war der SPD-Fraktionsvorsitzende Siegmar Wollgam, der im Namen der Mehrheitsgruppe eine geheime Abstimmung über den Hauptsitz beantragte. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Günter Busch stimmte zu. Dies sei keine Wahl, sondern eine Abstimmung, deshalb reiche eine einfache Mehrheit, sagte er.
Aber auch die kam nicht zustande. Selbstverständlich war die Abstimmung längst vorbereitet, die Zettel lagen bereit, die Ratsmitglieder stimmten in alphabetischer Reihenfolge ab.
Zwei Enthaltungen
Nach wenigen Minuten präsentierten die beiden Zähler Horst Mauritschat (SPD) und Karl-Gerd Padeken (CDU) das von allen insgeheim befürchtete Ergebnis: Neun Stimmen für Seefeld, neun Stimmen für Schwei, zwei Enthaltungen.
Deshalb blieb als letzte Möglichkeit nur der Losentscheid: Der Ratsvorsitzende Günter Hespos (SPD) griff mit zugehaltenen Augen in eine große weiße Kiste – und zog Schwei. Zahlreiche Eltern aus beiden betroffenen Dörfern verfolgten die Entscheidung atemlos.
Ohne geheime Abstimmung und Losentscheid legte der Rat anschließend einstimmig den Namen der neuen Schule fest: Sie heißt jetzt Grundschule Seefeld/Schwei. Wie Siegmar Wollgam erläuterte, waren sich die Ratsmitglieder vorher einig geworden, dass die Schule, die nicht den Hauptsitz erhält, zuerst genannt wird. „Damit wollen wir deutlich machen, dass es gleichberechtigte Schulen sind“, sagte er.
Wie berichtet, hatte die Landesschulbehörde der Gemeinde in den Sommerferien mitgeteilt, dass sie einen Hauptsitz für das neue Schulsystem festlegen muss. Die Gemeindeverwaltung entschied sich aus praktischen Gründen für Schwei – Schulleiter Ulrich von Döllen hält sich überwiegend dort auf – und wollte diese Entscheidung am 10. August vom Schulausschuss des Gemeinderates bestätigt haben.
Doch das Gremium vertagte die Abstimmung über Hauptsitz und Namen der neuen Schule, weil das Votum für Schwei die Seefelder Eltern aufgebracht hatte.
364 Unterschriften
Binnen drei Tagen waren in Seefeld 364 Unterschriften gegen den Hauptsitz Schwei zusammengekommen. Die Seefelder Eltern befürchten, dass bei weiter sinkenden Schülerzahlen am Ende nur der Hauptsitz überleben wird – eine Befürchtung, der die Kommunalpolitiker aller Parteien immer widersprechen.
