Kreuth - Horst Seehofer stehen ein paar Schweißperlen im Gesicht. Erstmals seit ewigen Zeiten liegt zur Winterklausur der CSU-Bundestagsabgeordneten im oberbayerischen Wildbad Kreuth kein Schnee. Deswegen ist es aber noch lange nicht warm dort oben in den Bergen. Vielmehr gefriert der Tau auf der Straße. Doch das Scheinwerferlicht und die Fragen an den CSU-Chef nach seinem Streit mit Wirtschaftsministerin Ilse Aigner über die Energiewende erzeugen Hitze. Die CSU hat ausgerechnet ihren Jahresauftakt verpatzt.
Umarmung fürs Foto
Am Tag zwei will davon aber keiner mehr etwas wissen. Alles an den Haaren herbeigezogen, sagt Aigner am Mittwoch. Die Medien seien Schuld. Sie hätten Zitate falsch gedeutet, erklärt sie. Und wichtige Sätze weggelassen, beklagt Seehofer. Umarmung für die Kameras. „Fotos sagen mehr als 1000 Worte“, sagt Aigner. Fotos sagen nicht immer die Wahrheit, wissen nicht nur Fotografen.
Es gibt auch noch andere Bilder an diesem Mittwoch: Der US-Botschafter John B. Emerson kommt im Trachtenjanker, schwärmt vom schönen Bayern und lobt die guten Gespräche mit der CSU. CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt zeigt viel Verständnis für Washingtons zögerliche Aufarbeitung der NSA-Ausspäh-Affäre. Emerson freut sich, dass die umstrittenen Abhöraktionen in dem Gespräch mit der CSU eine untergeordnete Rolle gespielt hätten.
Vor den Abgeordneten holt Seehofer dann nach, was er eigentlich schon am Dienstag machen wollte: die Landesgruppe im Bundestag auf das erste Jahr in der Großen Koalition mit den Sozialdemokraten und die Wahlen 2014 einstimmen. Sein wichtigstes Anliegen richtet sich aber nach innen. „Ich kann acht Wochen vor einer kleinen Landtagswahl überhaupt keine kontroversen Debatten zulassen“, sagt der Ministerpräsident mit Blick auf die Kommunalwahl am 16. März in Bayern. Er will damit so verstanden werden, dass er andere Meinungen respektiere, aber Streit nicht lange laufen lassen könne.
Gefahr für Erfolg
Seehofer formuliert seine Bedenken, dass parteiinterner Disput der CSU die Kommunalwahl oder die Europawahl verhageln könnte. Seine eigene Position in der Großen Koalition muss auch er erst noch festigen. Mit SPD-Chef Sigmar Gabriel als Vizekanzler steht ihm ein anderes politisches Kaliber gegenüber als zuvor mit FDP-Chef Philipp Rösler. Streit mit der SPD ist für Seehofer okay – Streit innerhalb der CSU für ihn aber eine Gefahr für Erfolg.
