Neuscharrel - Pfarrheim Neuscharrel, kurz nach 18 Uhr am Sonntag. Jetzt wird es hektisch für Balduin Flatken und seine Kollegen. Im einzigen Wahllokal im Dorf müssen jetzt rasch die Stimmen der Kommunalwahl ausgezählt werden. Auch nach etlichen Jahren „Berufserfahrung“ für Flatken eine Situation unter Anspannung. „Gerade bei den lokalen Wahlen stehen um 18 Uhr sofort die ersten Bürger im Wahllokal und wollen die ersten Ergebnisse sehen. Manchmal ist dies dann ziemlich störend, denn im Gegensatz zu allen Gerüchten ist eine Auszählung nicht geheim. Da kann jeder dabei sein“, sagt Flatken, der seit 40 Jahren in seiner Heimat Neuscharrel ein ganz besonderes Amt inne hat: Er ist Wahlhelfer.

Als Flatken 1976 gefragt wurde, als Wahlhelfer in Neuscharrel tätig zu sein, zögerte der landwirtschaftliche Lohnunternehmer nicht lange. „Bei uns hier auf dem Dorf packt man einfach mit an. Das ist typisch für Neuscharrel – jeder hilft wo er kann, so war es für mich klar, dass ich Wahlhelfer werde“, sagt der 70-Jährige, der auch am Sonntag wieder mit einem Lächeln vor der Wahlurne im Neuscharreler Pfarrheim saß.

Sein Wahltag am Sonntag begann schon früh. Um 8 Uhr mussten Wahlurne, Tische und Wahlzettel schon perfekt vorbereitet sein. Gleichzeitig kümmerte sich Flatken darum, dass seine Beisitzer und alle anderen Helfer im Dorf zwischen 8 und 18 Uhr auch gut versorgt werden. „Dabei packen die Frauen aber auch gerne mit an. Mit Brötchen und Kaffee hilft man sich durch den Tag“, so Flatken.

Rund 700 Wahlberechtigte gehören zum Wahlbezirk Neuscharrel. Davon haben 50 per Briefwahl abgestimmt. „Und die meisten Wähler kommen schon vormittags. Gleich um 8 Uhr findet ein erster Ansturm statt“, sagt Flakten, der als stellvertretender Wahlvorsteher am Sonntag von 13 bis 18 Uhr im Wahllokal für Ordnung sorgte.

In seinen 40 Dienstjahren ist dem 70-Jährigen schon allerhand widerfahren. „Früher wurde ja sogar noch in Gaststätten abgestimmt. Das ist heute verboten, da man durch die Geselligkeit in der Gastwirtschaft hätte beeinflusst werden können. Das waren noch andere Zeiten“, so der engagierte Rentner. Auch eine Wahl vor 20 Jahren ist ihm noch fest im Gedächtnis: „Damals hatte sich das ZDF nach Neuscharrel verirrt, um von hier aus ihre Hochrechnungen zu starten.“

Verlassen kann sich Flatken bei jeder Wahl auf seine Neuscharreler: „Auch wenn uns mal kurzerhand ein Wahlhelfer abgesprungen ist, hat es keine zehn Minuten gedauert, bis wir im Dorf Ersatz gefunden hatten.“

Doch an diesem Sonntag lief alles glatt. Erst nach dem Auszählen kam Flatken so langsam zur Ruhe und saß noch ein wenig mit seinen Beisitzern zusammen. Danach brachte er die Wahlzettel aber gleich noch ins Rathaus nach Friesoythe. Dort werden die Ergebnisse dann zentral festgehalten und aktiviert. „Und bis zur nächsten Wahl haben wir jetzt wieder Feierabend“, so Flatken.

Heiner Elsen
Heiner Elsen Redaktion Münsterland