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NWZonline.de Nachrichten Politik

Analyse: Unkenntnis, Böswilligkeit, Vorurteile

20.12.2017

Leipzig So konstruiert man einen angeblichen Nazi-Skandal bei der sächsischen Polizei: Man nehme den Schreiber eines linken Leipziger Stadtmagazins, lasse ihn das Logo des SEK der sächsischen Polizei in einem neuen Einsatzfahrzeug fotografieren und dann das ganze mit Geraune über dunkle Zeiten in den Sozialen Medien verbreiten. Man kann sicher sein, dass darauf ein medialer Flächenbrand folgt: Sachsen? Die Polizei? Gar noch das SEK? Ein Nazi-Logo? Muss stimmen, her mit der Geschichte!

Nur: Diese „Geschichte“ ist eine Luftnummer, sie strotzt vor Böswilligkeit, Unkenntnis und Vorurteilen. Denn was zeigt das Logo? Da ist das sächsische Wappen. Das schwarz-goldene Schild mit dem grünen Rautenkranz hat weder Adolf Hitler noch Hermann Göring erfunden. Es ist Jahrhunderte alt. Dann sind da zwei Löwen. Das SEK hat seinen Standort in Leipzig. Der Löwe ist das Wappentier der Stadt. Auch das ist keineswegs auf die NSDAP zurückzuführen. Dann sind da Lorbeerkranz und stilisierte Schwingen. Beides gehört weltweit zur vielgenutzten Symbolik bewaffneter Einheiten. Die Krone darüber steht schlicht für das Funkrufzeichen des SEK. Mit Kronen hatten es die Nazis übrigens auch nicht so.

Bleibt noch der Hauptvorwurf: die Verwendung der Frakturschrift, gelegentlich auch „gotische Schrift“ genannt, in den Schriftzügen „Sachsen“ und „Sondereinsatzkommando“. Das sei nun aber wirklich „Nazi“, meint die Social-Media-Meute zu wissen. Genau an dieser Stelle gilt es zu fragen, ob man es mit Bosheit oder Dummheit zu tun hat.

Fraktur ist weder „Nazi“ noch „rechts“. Es ist schlicht die für mehr als 500 Jahre meist verwendete Druckschrift in Deutschland. Weder haben die Nazis sie erfunden noch besonders geschätzt. In der Tat gab es in der völkischen Bewegung eine Debatte darum, welche Schrift die „deutsche“ sei. Diese Debatte wurde allerdings von Hitler persönlich entschieden: In einem Rundschreiben der NSDAP ordnete dieser im Januar 1941 an, dass die gotische Schrift aufzugeben und statt dessen die heute durchgehend genutzte Antiqua als „Normal-Schrift“ zu nutzen sei.

Aufschlussreich ist die antisemitische Begründung: „Die sogenannte gotische Schrift als eine deutsche Schrift zu bezeichnen, ist falsch. In Wirklichkeit handelt es sich um Schwabacher Judenlettern. Genau wie sie sich später in den Besitz der Zeitungen setzten, setzten sich die in Deutschland ansässigen Juden bei Einführung des Buchdrucks in den Besitz der Buchdruckereien, und dadurch kam es in Deutschland zu der starken Einführung Schwabacher Judenlettern.“ Wenn also eine Schriftart „Nazi“ ist (an sich ein absurder Gedanke), dann ist es in Wirklichkeit Antiqua.

Leider nur passt diese historische Wahrheit nicht in das Narrativ vom naziverseuchten Sachsen, und deswegen las man auch nur an wenigen Stellen darüber. Selbst die Nachrichtenagentur dpa – zu deren Kunden diese Zeitung zählt – verzerrte die Tatsachen, indem es in einer Meldung schlicht hieß: „Fraktur fand zu Beginn des Nationalsozialismus als sogenannte deutsche Schrift vielfach Anwendung.“

Fazit: Die Geschichte vom naziverseuchten SEK-Logo ist eine bösartige Unterstellung. Es handelt sich nicht um einen Skandal – bei genauerem Hinsehen nicht einmal um eine „Geschichte“.

Dr. Alexander Will Leiter Newsdesk / Mitglied der Chefredaktion (Überregionales)
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