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Integration Selbst aktiv werden – das ist wichtig

Huntlosen - Rabia Abdo lacht sehr viel, backt gerne Kekse, schaut sich Rezept-Videos im Internet an und möchte mal in Bremen über den Weihnachtsmarkt gehen. Gewöhnliche Dinge eben, die eine 37-Jährige so macht. Dass die Syrerin mit ihrer Schwester erst vor eineinhalb Jahren nach Deutschland geflüchtet war, wird erst durch ihre Erzählungen deutlich.

Sorge um Familie

Mit Schwester Kauther, deren Kindern und Mann, kam die Syrerin zunächst in Bremen an, irgendwann ging es weiter nach Huntlosen. Dort werden Abdo und ihre Familie seither von Integrationshelferin Angelika Zindl begleitet – und die ist ganz angetan von der ehrenamtlichen Arbeit. „Man bekommt so viel Liebe zurück“, sagt Zindl.

Kauther ist nicht die einzige Schwester. „Wir sind eine große Familie“, sagt Rabia Abdo. Drei Schwestern und sieben Brüder hat sie. Ein Teil von ihnen ist noch in Syrien. Rabia und Kauther Abdo sind deshalb oft in Sorge. Die Frage nach dem Warum der Flucht erübrigt sich durch die aktuelle Nachrichtenlage: Krieg. Vor allem Abdos Neffen sollten deshalb in Sicherheit sein.

Angelika Zindl hilft Rabia Abdo – vorrangig bei speziellen Sachen. Beispielsweise, als Abdo ihr Portemonnaie in einem Zug versehentlich liegen ließ oder als es um den Mietvertrag in Huntlosen ging. Ihre Anerkennung hat Abdo schon, jetzt hofft sie noch auf den passenden Beruf. Eigentlich ist sie gelernte Laborantin. Am liebsten würde sie dem Beruf weiter nachgehen, gibt sie zu.

Schwere Sprache

Um Deutsch zu lernen, arbeiteten sie und ihre Schwester bereits auf dem Gut Sannum, einer Einrichtung für Menschen mit geistiger, seelischer oder körperlicher Beeinträchtigung. Auch zukünftig ist geplant, dass sie dort in der Küche aushelfen. Nebenbei besuchen sie einen Sprachkursus. „Deutsch ist sehr schwer“, gibt Rabia Abdo zu. „Aber Arabisch ist viel schwerer.“ Angelika Zindl lobt ihren Schützling. „Sie hat eine tolle Sprachentwicklung gemacht“, sagt sie.

Bei der Frage, welche kulturellen Unterschiede Abdo als erstes auffielen, muss sie überlegen. „Viele“, antwortet sie schließlich. Zum Beispiel sei ihr aufgefallen, wie kalt es im Winter in Deutschland wird. Oder dass die Deutschen immer pünktlich seien. Umgekehrt erfährt Zindl viel über Abdos Kultur. „Für mich ist es eine Bereicherung. An Ostern tanzten sie und ihre Schwester zum Beispiel ums Osterfeuer.“ Der Hintergrund: Um die Zeit, am 21. März um genau zu sein, wird das kurdische Neujahrsfest Newroz gefeiert. Weihnachten steht bei Rabia Abdo allerdings nicht im Kalender: Sie ist Muslimin. An den Feiertagen selbst waren sie und ihre Familie bei Angelika Zindl zum Essen eingeladen. Für die Helferin eine Selbstverständlichkeit: Schließlich seien die Abdos anderen gegenüber sehr gastfreundlich.

Rabia Abdo entdeckte seit ihrer Ankunft, worauf es in einem fremden Land ankommt.

„Man sollte nicht zwei oder zehn Jahre darauf warten, dass Deutschland einem hilft“, rät sie anderen Migranten. Selbst aktiv werden, so lautete von Beginn an bei ihr die Devise.

Verena Sieling
Verena Sieling Redaktion Wildeshausen
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