Es gibt eine gemeinsame Erklärung des DRK und des Bürgermeisters. Dem jetzigen Projekt fehle die nötige Akzeptanz.
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DöTLINGEN - Frank Nagel von der Initiative „WIR“ in Dötlingen mochte es am Mittwochabend kaum glauben, als er sah, wie der Informationscontainer des Deutschen Roten Kreuzes zum geplanten Seniorenzentrum in Dötlingen abgeholt wurde (die
NWZ
berichtete bereits). Warum das geschah, mochte ihm vor Ort niemand sagen. Der stellvertretende Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes, Oliver Brinkhus, verwies noch am Donnerstagmorgen auf eine anstehende Pressemitteilung. Nachmittags – nach offenbar intensiver Abstimmung zwischen den Beteiligten – traf die Mail ein, gemeinsam verfasst vom DRK-Kreisverband und Dötlingens Bürgermeister Heino Pauka. Der Tenor der Erklärung: Das Seniorenheim in seiner geplanten Form ist vom Tisch, jetzt soll auf den Dialog mit allen Beteiligten gesetzt werden.
An diesem Freitag wird auch die Infotafel mit der Übersicht über das geplante Heim mit 60 Plätzen, Tagespflege und 32 Seniorenwohnungen auf dem Parkplatz „Zur Loh“ abgebaut – „bis auf Weiteres“, so die Formulierung in der Erklärung – und damit rechtzeitig vorm Besuch der „Entente Florale“.
Massiver Widerstand
Am Dienstag hatten DRK und Bürgermeister „die aktuellen Entwicklungen in Dötlingen bezüglich des geplanten Neubauvorhabens für eine stationäre Pflegeeinrichtung, Betreutes Wohnen sowie einer Tagespflege erörtert“. Das bezieht sich auf die Stimmungslage im Dorf, die sich besonders in der Initiative „WIR“ ausdrückt. Viele Dötlinger solidarisierten sich mit dem Unmut der Initiative, insbesondere über die geplante Größe des Seniorenzentrums am Goldbergsweg. Grüne und FDP sprachen sich gegen das Vorhaben aus. Auch die CDU bekundete zuletzt, einen Arbeitskreis Leben und Wohnen im Alter einzuberufen und das Thema neu beraten zu wollen. Die SPD äußerte sich bisher nicht öffentlich.
In der Erklärung von DRK und Pauka heißt es: „Trotz der Annahme, dass das geplante Vorhaben von der Mehrheit der Bevölkerung in der Gemeinde Dötlingen für notwendig erachtet wird und gewollt ist, zeigt die Tendenz deutlich, dass für das Projekt am vorgesehenen Standort in der vorgesehenen Größe keine ausreichende Akzeptanz im Dorf gegeben ist.“
Ein Projekt bezogen auf die älter werdende Bevölkerung in der Gemeinde Dötlingen sei bedeutend für die Zukunft der Gemeinde und sollte deshalb von allen Seiten mit einer deutlichen Mehrheit gewünscht sein und mitgetragen werden. „Da dieses offensichtlich und nach der derzeitigen Lage nicht der Fall ist“, teilt der DRK-Kreisverband mit, dass der Infocontainer und das Bauschild bis auf Weiteres abgebaut werden.
Konstruktive Gespräche
Weiter im Text der Erklärung: „Gemeinsam wollen Gemeinde und DRK demnächst unter Einbeziehung der örtlichen Gruppen herausfinden, unter welchen Voraussetzungen eine weitere Zusammenarbeit hinsichtlich der Schaffung von stationären Pflegeplätzen und ,Betreutem Wohnen’ in der Gemeinde Dötlingen noch gewollt bzw. gewünscht ist.“
Abschließend folgt ein Aufruf für einen Neuanfang in der Diskussion: „Das DRK bietet in diesem Zusammenhang fachliche Unterstützung für kommende Gespräche an. DRK und Bürgermeister hoffen, dass mit dieser Erklärung und dem Abbau der Werbeeinrichtungen nun der Weg für gemeinsame und konstruktive Gespräche offen ist.“
2011
hatte sich noch der alte Rat (bis Ende Oktober im Amt) nicht-öffentlich mit den Plänen für das DRK-Seniorenzentrum befasst und sie gut geheißen.
Am 19. März 2012
informiert die Gemeinde erstmals Anlieger im Bereich Goldbergweg/Zur Loh über das geplante DRK-Seniorenzentrum.
Am 28. März
gehen Bürgermeister Heino Pauka und DRK-Geschäftsführer Jürgen Vosteen an die Öffentlichkeit und stellen das Projekt vor. Auslöser ist eine Anfrage der
NWZ
zu diesem Thema.
Am 14. Mai
geht die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen als erste auf das Projekt öffentlich in einer Fraktionssitzung ein. Der Tenor ist sehr kritisch.
Am 5. Juni
ist beim Infoabend des Bürger- und Heimatvereins Dötlingen die Stimmung eindeutig gegen das Projekt. Vertreter der Verwaltung sind nicht zugegen.
Am 7. Juni
ist der nicht-öffentliche Verwaltungsausschuss mit dem Thema beschäftigt. „Der Gemeinderat steht nach wie vor mit überwältigender Mehrheit hinter dem Projekt“, teilt Heino Pauka anschließend mit.
Am 11. Juni
stellen DRK und Gemeinde eine große Infotafel an der Ecke Dorfring/Rittrumer Kirchweg auf. Zugleich steht dort ein Informationscontainer. Hier soll bis Oktober eine Marktanalyse erfolgen, um das Interesse an den Seniorenwohnungen abzuklopfen. Das Echo auf diesen Standort fällt verheerend aus, selbst das Engagement für die „Entente Florale“ droht zu kippen.
Am 13. Juni
reagieren Gemeinde und DRK auf den Protest und verlegen den Standort auf den Parkplatz „Zur Loh“. Innerhalb der Entente Florale soll das Projekt vor der Jury am 14. Juli thematisiert werden. In Dötlingen formieren sich die Gegner zu einer Initiative namens „WIR“.
Am 23./24. Juni
ist der Informationsstand des DRK auf dem Parkplatz „Zur Loh“ erstmals geöffnet. Parallel positioniert sich die Initiative „WIR“ direkt daneben. Sie begrüßt altersgerechten Wohnraum, lehnt aber die „Verschandelung“ des Dorfes ab. Überall im Dorf hängen entsprechende Transparente, im Internet gibt es eine eigene Homepage (www.wir-in-doetlingen.de).
Am 30. Juni
kritisiert die FDP die Vorgehensweise von Bürgermeister Heino Pauka scharf. Sie lehnt das Projekt in der jetzigen Form ab.
Am 2. Juli
ist der Arbeitskreis „Leben und Wohnen im Alter“ auf Initiative des Bürger- und Heimatvereins Dötlingen entstanden, im Rathaus zu Gast. Das jetzige DRK-Konzept wird abgelehnt, eine Bürgerversammlung am 18. Juli auf dieser Grundlage daher als sinnlos verworfen. Die Gemeinde bringt ein neues Gremium ins Spiel, das nach Alternativen in der Bauweise, beim Standort und der Betriebsführung suchen solle.
Am 7. Juli
bleibt die FDP bei ihrer Ablehnung, entschuldigt sich aber für mögliche Fehlinterpretationen ihrer Kritik. Die CDU kritisiert in einer Stellungnahme die Liberalen und stellt sich hinter Pauka. Sie begrüßt zugleich den neuen Weg mit der Suche nach Alternativen.