Donezk - Die Separatisten im Osten der Ukraine melden einen Erfolg auf ganzer Linie bei ihren umstrittenen Referenden zur Abspaltung der Regionen Donezk und Lugansk. Wie die Organisatoren am Montag mitteilten, sollen in Donezk 89 Prozent der Abstimmungsteilnehmer für die Trennung vom Rest der Ukraine votiert haben, in der benachbarten Region Lugansk sogar zwischen 94 und 98 Prozent. Die Regierung in Kiew und der Westen halten die Referenden für illegal und wollen das Ergebnis nicht anerkennen.

In den beiden Regionen, in denen am Sonntag über eine Unabhängigkeit abgestimmt wurde, leben rund 6,5 Millionen Menschen. Dort halten prorussische Separatisten seit Wochen Regierungsgebäude besetzt, ohne dass die Zentralregierung in Kiew dies verhindern oder rückgängig machen konnte. Die EU und die USA sehen Russland als Anstifter und Unterstützer der Separatisten und haben deshalb ihre Sanktionen gegen Moskau verschärft.

Die Organisatoren meldeten in Donezk eine hohe Wahlbeteiligung von rund 75 Prozent. Tatsächlich beobachteten AP-Reporter in einer Schule dort großen Andrang von Wählern. Alle Stimmzettel in der durchsichtigen Wahlurne waren pro Autonomie angekreuzt. Vermutlich gingen Gegner des Referendums gar nicht erst zur Abstimmung. Eine unabhängige Bestätigung der Abstimmungsergebnisse gibt es mangels internationaler Wahlbeobachter nicht.

Der Aufstand in der Ostukraine hatte sich nach der Absetzung des prorussischen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch formiert. Wie der künftige Status von Donezk und Lugansk aussehen soll, wollen die Separatisten erst nach den Referenden entscheiden. „Wir sagen der Welt nur, dass wir Veränderungen wollen, wir wollen gehört werden“, sagte der Donezker Wahlleiter Roman Ljagin. Viele der Separatisten streben eine Angliederung an Russland an.

Das Außenministerium in Kiew kritisierte die Referenden als „kriminelle Farce“. Auch die USA und andere westliche Länder sehen in den Abstimmungen eine Verletzung internationalen Rechts. Selbst Kremlchef Wladimir Putin hatte die Organisatoren der Referenden zu einer Verschiebung aufgerufen, was diese jedoch ignorierten.

In Donezk und Lugansk blieb es während der Referenden weitgehend ruhig. Doch am Sonntagabend eröffneten vor dem Rathaus in Krasnoarmejsk Mitglieder der ukrainischen Nationalgarde das Feuer auf eine Menschenmenge. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP, berichtete von zwei Menschen, die regungslos auf dem Boden lagen. Der Sprecher der prorussischen Aufständischen, Denis Puschilin, sagte laut der Nachrichtenagentur Itar-Tass, es habe mehrere Tote gegeben. Krasnoarmejsk liegt rund 30 Kilometer von der Regionalhauptstadt Donezk entfernt.

In der ostukrainischen Stadt Slawjansk haben sich Regierungstruppen erneut Gefechte mit prorussischen Kräften geliefert. Die Separatisten hätten den Fernsehturm sowie Soldaten mit Granatwerfern beschossen, teilte Innenminister Arsen Awakow am Montag bei Facebook mit. Es gebe keine Verletzten. Awakow warf den Kämpfern vor, sich in Wohnungen von Zivilisten zu verschanzen.

Die russische Staatsagentur Ria Nowosti meldete, die Regierungseinheiten hätten Kontrollpunkte der Separatisten am Stadteingang angegriffen. Das Mobilfunknetz sei gestört. Die Stadt mit 125 000 Einwohnern wird weitestgehend von den Separatisten beherrscht und ist vom Militär umstellt, das mit einem „Anti-Terror-Einsatz“ die Macht in der Region zurückgewinnen will.

Im Gebiet Donezk ist nach einem Radiobericht ein Journalist der kremlkritischen Zeitung „Nowaja Gaseta“ verschleppt worden. Pawel Kanygin habe in der Nacht noch eine SMS mit einer Bitte um Hilfe an mehrere Kollegen abschicken können, berichtete der Sender Echo Moskwy. Nun sei Kanygins Telefon nicht mehr erreichbar. Für die vom Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow mitgegründete „Nowaja Gaseta“ hatte auch die 2006 ermordete Kremlkritikerin Anna Politkowskaja gearbeitet.