Es bedarf schon eines besonderen Zugangs zur deutschen Sprache, um im Zusammenhang mit den Sparvorgaben für die Bundeswehr auf den Begriff von der „freiwilligen Wehrpflicht“ zu kommen. Offenbar scheuen Minister und die Hardthöhe das, was gemeinhin Soldaten nachgesagt wird: sich knapp und verständlich auszudrücken. Nur Nachlässigkeit? Eher nicht, von Guttenberg weiß um die Befindlichkeit in den eigenen Reihen und sucht die rhetorische Quadratur des Kreises. Dennoch meldeten sich die Bedenkenträger aus München prompt.
Dabei sind die Pläne des Bundesverteidigungsministers nachvollziehbar. Der bis zur Sinnlosigkeit auf sechs Monate verkürzte Wehrdienst erfüllt weder den Anspruch an eine halbwegs akzeptable Form von Wehrgerechtigkeit, noch die Erwartungen der Militärischen Führung an eine Ausbildung, die den gestiegenen technischen und mentalen Herausforderungen der Soldaten genügt. Die Wehrpflicht in ihrer aktuellen Form ist lediglich ein Placebo zur Beruhigung der Anhänger des Idealbildes vom Staatsbürger in Uniform.
Guttenbergs Pläne sorgen in diesem Punkt für mehr Ehrlichkeit. Immerhin soll nach seinem Willen die allgemeine Wehrpflicht nicht abgeschafft, sondern nur vorübergehend ausgesetzt werden. Damit kann auch künftig nicht von einer Berufsarmee gesprochen werden, die gerade in Deutschland vermutlich auf erhebliche Akzeptanzprobleme stoßen würde. Ob indes die Zahl der freiwillig in die Kasernen einrückenden jungen Männer und Frauen jedes Jahr die erhoffte Größenordnung erreicht, hängt wohl entscheidend von der wirtschaftlichen Gesamtsituation und der Lage auf dem Ausbildungsmarkt ab.
Das ist neben der noch ungelösten Frage des Zivildienstes einer der Schwachpunkte der Pläne. Vielen diente die Armee in der Vergangenheit als willkommener Lehrstellenersatz, der vor dem Gang zum Arbeitsamt bewahrte. Bei dem schon bald eintretenden Mangel an Auszubildenden verliert die Bundeswehr als Lehrherr erheblich an Anziehungskraft.
Dennoch: Guttenbergs Pläne verdienen eine seriöse Diskussion und keine reflexartige Ablehnung.
