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Sexualisierte Gewalt in evangelischer Kirche Aufarbeitung der Missbrauchsstudie - Betroffene sollen einheitlichen Grundbetrag erhalten

Ein Kreuz steht in der Aegidienkirche der evangelisch-lutherischen Marktkirchengemeinde. Nach der ersten umfassenden Studie zu sexualisierter Gewalt in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und in der Diakonie fordert Studienleiter Martin Wazlawik, die einzelnen Fälle aufzuarbeiten. Es geht voran.

Ein Kreuz steht in der Aegidienkirche der evangelisch-lutherischen Marktkirchengemeinde. Nach der ersten umfassenden Studie zu sexualisierter Gewalt in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und in der Diakonie fordert Studienleiter Martin Wazlawik, die einzelnen Fälle aufzuarbeiten. Es geht voran.

Julian Stratenschulte/dpa

Hannover - Nach der Studie zu sexuellem Missbrauch in der evangelischen Kirche hat das Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt weitere Schritte zur Aufarbeitung unternommen. „Wir haben erarbeitet, welche Maßnahmen zu welchen Empfehlungen passen, damit Kirche und Diakonie möglichst zügig in die Umsetzung gehen können“, sagte die Sprecherin der Betroffenenvertretung, Nancy Janz, am Dienstag nach einer zweitägigen Sitzung des Gremiums. Im Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt suchen Betroffene und kirchliche Vertreterinnen und Vertreter gemeinsam nach Lösungen, um sexualisierte Gewalt in der evangelischen Kirche umfassend aufzuarbeiten und künftig zu verhindern. „Wir Betroffene haben ein Mitbestimmungsrecht und Macht. Sie können ohne uns nichts entscheiden“, sagte der Sprecher der Betroffenenvertretung im Beteiligungsforum, Detlev Zander.

Einheitlicher Grundbetrag für Entschädigungszahlungen

In der jüngsten Sitzung setzten sich die Betroffenenvertreter und die Beauftragten aus Kirche und Diakonie mit den Empfehlungen aus der Studie auseinander. Daraus sollen verschiedene Maßnahmen erarbeitet werden, die im November der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur Abstimmung vorgelegt werden.

Zu den Maßnahmen, die das Beteiligungsforum angestoßen hat, gehört eine digitale Plattform, auf der sich Betroffene vernetzen können. Diese werde bald online sein, hieß es. Zudem seien Reformen der Disziplinarverfahren und Anerkennungsverfahren auf den Weg gebracht. Es werde ein neues System für Entschädigungszahlungen geben, erklärte Zander. Demnach sollen Betroffene einen einheitlichen Grundbetrag für das institutionelle Versagen der Kirche erhalten sowie eine Summe, welche die individuellen Trauma-Spätfolgen berücksichtigt.

Forderung nach einheitlichen Standards erfordert Geld und Personal

Die Sprecherin der kirchlichen Beauftragten im Beteiligungsforum, Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst, sagte, es sei wichtig, dass Kirche und Diakonie sich auf allen Ebenen mit dem Thema sexualisierte Gewalt auseinandersetzten. „Wir brauchen Bewusstsein dafür, dass das Thema alle betrifft.“ Der Sprecher der Betroffenenvertretung, Detlev Zander, forderte gute Rahmenbedingungen für die Umsetzung der Empfehlungen. „Nur wenn die Landeskirchen und die diakonischen Landesverbände jetzt genügend Geld und Personal einsetzen und sich endlich zu einheitlichen Standards bekennen, können Kirche und Diakonie den Bedürfnissen betroffener Menschen gerecht werden.“

Die Ende Januar vorgelegte Untersuchung zu sexualisierter Gewalt in der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Diakonie hatte mindestens 2225 Betroffene und 1259 mutmaßliche Täter für die vergangenen Jahrzehnte dokumentiert. Studienleiter Martin Wazlawik sprach von der „Spitze der Spitze des Eisbergs“. Denn die in der Studie ermittelten Fallzahlen basieren vor allem auf Disziplinarakten. Die Wissenschaftler konnten nicht die Personalakten aller Pfarrer und Diakone auswerten.

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