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NWZonline.de Nachrichten Politik

Junge Frau Ermordet: Sexualtäter schlägt bei Freigang erneut zu und tötet

16.06.2017

Verden Gutachter hatten den Mann als besonders gefährlich eingestuft. Die Wahrscheinlichkeit sei groß, dass der Sexualstraftäter erneut zuschlage, betonte das Landgericht Aurich 2012, als es den Mann zu fast fünf Jahren Haft wegen Vergewaltigung verurteilte. Doch genau das passierte: Bei einem Freigang als Patient im Maßregelvollzug in Rehburg-Loccum (Kreis Nienburg) tötete der heute 49-Jährige im September 2015 eine junge Frau. Die Leiche der 23-Jährigen versteckte er im Wald. Der Vater der jungen Frau hatte die unbekleidete Leiche seiner Tochter Tage nach der Tat im Wald gefunden. Sie war unter Farnkraut und Ästen versteckt.

Für die Tat musste sich der Mann vor dem Landgericht Verden verantworten – jetzt wurde er dort wegen Totschlags zu elfeinhalb Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

Es gebe keinen Zweifel daran, dass der frühere Landschaftsgärtner und Gerüstbauer die junge Frau erwürgt habe, sagte der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk. Die Hintergründe der Tat konnten während des rund neunmonatigen Prozesses nicht umfassend aufgeklärt werden. „Wir können zur Motivlage wenig feststellen“, sagte der Richter.

Angeklagter bestreitet die Tat

Der Angeklagte hatte sich erst kurz vor Endes des Prozesses geäußert und die Tat bestritten. „Die Angaben des Angeklagten sind nicht plausibel“, sagte der Richter. Es sei schwer zu verstehen, warum er erst so spät zu den Vorwürfen Stellung genommen habe.

Die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage hatten eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes und Sicherungsverwahrung gefordert. „Sie sind ein Mörder. Sie haben grausam getötet, um den Geschlechtstrieb zu befriedigen“, sagte Rechtsanwalt Raban Funk in seinem Schlusswort zu dem Angeklagten. Funk, der die Schwester der getöteten jungen Frau vertrat, bezeichnete den 49-Jährigen als Serienvergewaltiger mit rituellem Vorgehen.

Die beiden Pflichtverteidiger des Angeklagten plädierten hingegen auf Freispruch. Für eine Verurteilung gebe es keine Beweise, betonten sie. „Was ist, wenn der wahre Täter noch frei herumläuft?“, fragte Anwalt Torben Werk.

Die Kammer hielt die Beweislage aber für ausreichend. Als wesentliches Beweismittel nannte der Richter ein Kaugummipapier mit der DNA des 49-Jährigen, das in der Nähe des Tatorts neben der Brille des Opfers gefunden wurde. „Der Angeklagte beseitigte Spuren. Er übersah die Brille und das Kaugummipapier.“ Wesentlich waren auch die Gesichtsverletzungen, mit denen der Mann, deutscher Staatsbürger, am Tattag von seinem Freigang in die Einrichtung zurückkehrte. Nach Angaben verschiedener Zeugen hatte er Kratzer im Gesicht.

Ob Täter und Opfer sich kannten, konnte das Gericht nicht klären. Unklar blieb auch, was vor der Tötung genau geschah. „Es ist davon auszugehen, dass es sexuelle Handlungen gegeben hat“, sagte der Vorsitzende Richter. Ob diese zu einem Teil einvernehmlich waren, wisse er nicht. Auch die Staatsanwältin sagte: „Das, was sich dort im Wald abgespielt hat, bleibt trotz aller Bemühungen, trotz aller Beweisaufnahme im Dunkeln.“

Kritik am Maßregelvollzug

Deutliche Kritik wurde am betroffenen Maßregelvollzug laut. Mehrere Prozessbeteiligte äußerten ihr Unverständnis darüber, dass der Mann unbegleiteten Ausgang erhielt. Nach Angaben von Zeugen hatte er sich in der Therapie nicht umfassend mit seinen Sexualstraftaten auseinandergesetzt, erzählte Mitarbeiterinnen der Einrichtung sogar von seinen Vergewaltigungen. Bei dem Mann sei offensichtlich hauptsächlich seine damalige Alkoholsucht behandelt worden, sagte die Staatsanwältin.

Im Laufe des Prozesses war die Einrichtung in Bad Rehburg wegen unterschlagener Unterlagen unter Druck geraten. Die Staatsanwaltschaft ließ bei einer Durchsuchung der Klinik umfangreiche Dokumente sicherstellen. Später wurde der leitende Arzt und Vollzugsleiter im Maßregelvollzug freigestellt.

Die Politik reagierte – auch weil es weitere Vorfälle im Maßregelvollzug in Niedersachsen gab. Lockerungen für Gewalt- und Sexualverbrecher müssen nun stärker hinterfragt werden. Inzwischen wurde ein juristisches Kompetenzzentrum eingerichtet, das die Maßregelvollzugseinrichtungen bei der Gewährung von Vollzugslockerungen unterstützen soll.

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