Jever - Er kommt durch die Hintertür – geschuldet ist das der Sicherheit: Christian Wulff, ehemaliger Bundespräsident, hat noch immer eine hohe Sicherheitsstufe. Seit der gründlichen Durchsuchung durch die Polizei mit Sprengstoff-Spürhunden am Montagmorgen war das Dannhalm-Theater in Jever deshalb versiegelt.

Auch am Abend zeigt die Polizei Präsenz, ein Sprengstoff-Spürhund ist ebenfalls noch dabei. Das Gruppenfoto und erste Interviews müssen hinterm Theater stattfinden – erst kurz vor Beginn des Abends betritt Wulff das Theater durch den Hintereingang. Stets mit dabei sind Sicherheitsleute.

Der Lions-Club Schortens um Präsident Axel Kullik und Initiator Michael Engelbrecht hatten den ehemaligen Bundespräsidenten für eine Lesung aus seinem Buch „Ganz oben – ganz unten“ gewinnen können.

Der Besuch von Bundespräsident Christian Wulff in Jever stieß auf enormes Interesse. Die Karten für die Lesung – 365 Plätze gibt es im Theater – waren in kürzester Zeit ausverkauft. Und bereits lange bevor sich die Türen des Dannhalm-Theaters für die Lesung öffneten, standen die Menschen in Trauben auf dem Vorplatz.

Wulff ist entspannt, plaudert fröhlich. Nur als ein Mitglied des Lions-Clubs ihn „Bundespräsident a.D.“ nennt, wird er bestimmt: Laut Protokoll wird ein Bundespräsident auch nach Ausscheiden aus dem Amt weiter mit „Bundespräsident“ angesprochen. „Ihr Lions – wenn das den ganzen Abend so weitergeht. . .“, meint er und lächelt schon wieder entspannt. Wulff ist übrigens Mitglied der Rotarier – allerdings freigestellt. Rotariern und Lions wird gerne freundschaftliche Konkurrenz nachgesagt.

In seinem Buch blickt Wulff, der 598 Tage das höchste politische Amt in der Bundesrepublik Deutschland innehatte, auf die Zeit vor seinem Rücktritt am 15. Februar 2012 zurück. In „Ganz oben – ganz unten“ schildert er, wie aus seiner Sicht die „Affäre Wulff“ inszeniert wurde, was sich hinter den Kulissen abspielte und wie es sich anfühlt, solchen Angriffen ausgesetzt zu sein.

Wulff verzichtete auf ein Honorar – die Einnahmen fließen komplett an soziale Zwecke in der Region.