Rodenkirchen - Sigrid Reiß und Klaus Duhm sind die Menschen des Jahres in Stadland. Sie sind während des Neujahrsempfangs der Gemeinde Stadland am Samstagabend in der Rodenkircher Markthalle ausgezeichnet worden. Mehr als 200 Gäste klatschten Beifall.
Sigrid Reiß ist in vielfältiger Weise ehrenamtlich aktiv und verbindet dabei ihre Kreativität mit sozialem Engagement. Geboren und aufgewachsen ist sie mit 17 Geschwistern in Schwei, wo ihre Mutter als Schneiderin tätig war. Da lernte sie früh die Tugend der Hilfsbereitschaft. Und die Freude am textilen Gestalten bekam sie auch gleich mit.
Kreative Ader
Seit 1965 wohnt die jetzt 70-Jährige in Rodenkirchen. 38 Jahre lang war sie als Erzieherin tätig. Seit 1981 singt sie im Kirchenchor, seit gut 20 Jahren in der Singgemeinschaft Stadland, seit drei Jahren im St. Matthew‘s Choir. Sechs Jahre lang, von 1996 bis 2002, leitete sie die Finken, den Kinderchor der Singgemeinschaft.
In dieser Zeit stieg die Mitgliederzahl auf 50. Im Vorstand der Singgemeinschaft ist sie für Soziales zuständig.
Seit sie nicht mehr berufstätig ist, hat Sigrid Reiß noch mehr Zeit für ihre kreative Ader. Einmal im Monat bastelt sie in ihrem Hobbykeller für jeden Besucher des DRK-Altenclubs im evangelischen Gemeindehaus ein kleines Geschenk. Einmal im Jahr gestaltet sie mit den Konfirmanden einen Marktwagen.
Ebenfalls einmal im Jahr näht die Rentnerin für die Kinder von Tschernobyl, die im Sommer nach Stadland kommen: Röcke für die Mädchen, Rücksäcke für die Jungen. Außerdem strickt Sigrid Reiß Pullover und Pullunder für Kinderheime in St. Petersburg.
Und noch eine Sache ist ihr ganz wichtig: Alle drei Monate spendet sie Blut.
Sauberes Dorf
Ebenfalls nicht in der ersten Reihe steht der Mann des Jahres: Klaus Duhm. Der 76-Jährige ehemalige Zimmerermeister setzt sich nahezu täglich tatkräftig dafür ein, dass sein Heimatdorf Schwei sauber bleibt. Gleich nachdem er vor gut zehn Jahren die Leitung seines Betriebs Zimmerei Duhm an seinen Sohn Christian abgegeben hatte, fing er damit an. Zunächst begann er regelmäßig das Pastorenpadd zu mähen. Bald kamen weitere Einsatzorte hinzu: der Bahndamm, der Parkplatz an der Bahnhofstraße, die Viehrampe.
Und seit einigen Jahren arbeitet Klaus Duhm nicht mehr allein: Weitere handwerklich begabte Rentner stießen hinzu – Ernst Scherweit, Klaus Blank, Detlef Oltmanns und Fritz Bunjes. Sie bilden einen Rentnerclub und nennen sich selbst die „Dienstagsmänner“, weil sie an jedem Dienstag von 9 bis 12 Uhr gemeinsam loslegen.
An den Sportanlagen, am Kindergarten und an der Kirche erledigen sie Arbeiten, die erledigt werden müssen, die der Bauhof der Gemeinde aber nicht schaffen kann. So machen sie sauber oder beseitigen Stolperfallen.
Die Schweier sind ihnen dankbar dafür, was sich auch daran zeigt, dass jedes Mal ein anderer Bürger den Dienstagsmännern ein kleines zweites Frühstück anbietet: ein belegtes Brötchen mit Kaffee. „Mehr brauchen wir nicht“, sagt Klaus -Duhm.
Eine dreiköpfige Jury hat die beiden Menschen des Jahres gewählt. Sie bestand aus Bürgermeister Klaus Rübesamen, Ingo Lieken vom Aktionspartner Oldenburgische Landesbank (OLB) und NWZ -Redakteur Henning Bielefeld.
