• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik

Soziale Kluft schrumpft nicht

14.12.2016

Berlin Die Konjunktur brummt, die Arbeitslosigkeit ist auf einem Rekordtief, doch die soziale Kluft in Deutschland wird nicht kleiner: Auf der einen Seite immer mehr Millionäre, auf der anderen Seite aber auch immer mehr verschuldete Menschen und Arme. Das geht aus dem Entwurf für den fünften Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung hervor, der unserer Berliner Redaktion vorliegt.

„Die positiven Entwicklungen bei Beschäftigung und Einkommen schlagen sich nicht in einer rückläufigen Armutsrisikoquote nieder“, heißt es in der Analyse, die Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) im Frühjahr vorlegen will.

Rat in Schuldnerberatung

Experten sehen in der klaffenden Schere zwischen „denen da oben“ und „denen da unten“ ein „Armutszeugnis“ für die Bundesregierung.

2,05 Millionen Haushalte beziehungsweise 4,17 Millionen Menschen sind verschuldet. Die Zahl der Haushalte, die ihre Kredite nicht abbezahlen können und mit ihrem Einkommen nicht über die Runden kommen, ist seit 2013 um 80 000 gestiegen. 6,1 Prozent der Erwachsenen sind heutzutage überschuldet, vor zehn Jahren waren es noch fünf Prozent.

Im Armutsbericht heißt es: „Der Trend, nach dem seit 2006 ein stetiger Anstieg zu verzeichnen ist, setzt sich also fort.“ Die Verschuldung der Menschen, die eine Schuldnerberatung aufsuchten, betrug im vergangenen Jahr im Durchschnitt 34 400 Euro, das war das 33-fache des jeweiligen monatlichen Einkommens.

Erschreckend: Vier von zehn der Schuldner hatten mehr als zehn Gläubiger. Als Gründe werden Jobverlust – etwa durch Krankheit – aber auch „Einkommensarmut“ genannt. Obwohl die Betroffenen Geld verdienen, reicht es also nicht. Dabei sind die verfügbaren Einkommen seit 2012 im Schnitt pro Jahr um 1,9 Prozent gestiegen. 2015 ging es mit den Reallöhnen nach Abzug der Inflation um 2,4 Prozent nach oben. Das Plus beim Arbeitslohn lag dabei über dem Plus durch Einnahmen aus Vermögen und Unternehmertätigkeit, was auf eine Verkleinerung der sozialen Spaltung hindeuten könnte.

Das Problem: „Die Zuwächse der Einkommen im unteren Bereich fielen etwas geringer aus als im Mittel der Haushalte.“ Die Armutsrisikoquote stieg laut Mikrozensus in den vergangenen zehn Jahren um einen Punkt auf 15,7 Prozent im Jahr 2015. Als armutsgefährdet gelten Menschen, die über weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verfügen. Einer der Gründe: Gut jeder fünfte Arbeitnehmer verdient höchsten zehn Euro pro Stunde.

Ohne Obdach

Die Zahl der Menschen, die auf Hartz-IV oder Grundsicherung im Alter angewiesen sind, stieg binnen fünf Jahren um 800 000 auf knapp acht Millionen. Trauriger Trend auch bei den Obdachlosen, die die Behörden selbst gar nicht erfassen. Für den Armutsbericht greift die Regierung auf Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe zurück. Demnach hatten 2014 335 000 Menschen keine eigene Wohnung, 39 000 von ihnen lebten ganz ohne Obdach auf der Straße.

Ebenfalls noch oben ging es mit der Zahl der Einkommens-Millionäre – von 9500 im Jahr 2002 auf 16 500 im Jahr 2012. Ihr Gesamt-Einkommen wuchs im gleichen Zeitraum von 26 Milliarden Euro auf 45,6 Milliarden Euro, was 3,83 Prozent der gesamten Einkünfte in Deutschland entspricht.

Tobias Schmidt Korrespondentenbüro Berlin
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2018
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.