Die Hoffnung stirbt zuletzt. Die Sozialdemokraten machen sich neun Wochen vor dem Tag der Bundestagswahl gegenseitig Mut. Es stimmt: Entschieden ist noch nichts, bis zum Wahltag 18 Uhr haben sie Zeit, den Rückstand aufzuholen, der laut Umfragen besteht. Ein immer größerer Teil der Bürger entscheidet sich erst kurz vor dem eigentlichen Wahltermin.

Und es gibt die Erfahrungen aus dem letzten Urnengang 2005. Damals ist es Gerhard Schröder in einem furiosen Wahlkampf-Finale noch gelungen, die Sozialdemokraten fast auf das Ergebnis der Union zu bringen. An all diesen Betrachtungen mögen sich die Sozialdemokraten aufrichten. Doch sie bedeuten zusammen genommen nur eines: Es gibt eine Chance für die Sozialdemokraten, Machtverlust und Marsch in die Opposition noch zu verhindern. Nutzen müssten sie diese Chance aber selbst.

Dass sich just zum Start der Aufholjagd Gesundheitsministerin Ulla Schmidt mit Negativschlagzeilen konfrontiert sieht, ist ein herber Rückschlag für die Bemühungen von Steinmeier und SPD-Parteichef Müntefering. Kann das Team Steinmeier, zusammengestellt aus den altbekannten Ministern und einigen neuen Gesichtern, ab morgen den erhofften Auftrieb bringen? Seiteneinsteiger auf der bundespolitischen Bühne bergen die Gefahr, mit unorthodoxen Äußerungen Schaden anzurichten.

Die Sozialdemokraten wollen mit einem kurzen, heftigen Wahlkampf das Blatt noch wenden. Doch die zündenden Ideen fehlen oder wurden noch nicht publik gemacht. Allein mit dem Konfliktthema Atomkraft ist in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise kein erfolgreicher Wahlkampf zu bestreiten.

Allein Schwarz-Gelb als Schreckgespenst an die Wand zu malen, dürfte kaum ziehen, wird die FDP doch auch von der SPD als Koalitionspartner heftig umworben.

Soviel kann nach dem Auftakt in Hannover festgestellt werden: 60 Tage vor der Wahl ist noch keine erfolgversprechende Strategie in Sicht. Aber noch bleibt den Sozialdemokraten die geringe Hoffnung auf eine Wende in letzter Minute.

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