[SPITZMARKE]BERLIN/SANAA - BERLIN/SANAA/AFP - Ein Geiselbefreier in den Händen von Geiselnehmern: Im Jahr 2003 war der deutsche Spitzendiplomat Jürgen Chrobog maßgeblich verantwortlich für den glücklichen Ausgang des Geiseldramas in der Sahara, bei dem mehrere deutsche Touristen über Monate hinweg in der Gewalt von Entführern waren. Der damalige Außenstaatssekretär hatte mit unermüdlichen Verhandlungen für die Freilassung der Verschleppten gesorgt. Ein diplomatisches Glanzstück, das Chrobog einhelliges Lob einbrachte. Nun ist der erfahrene Helfer selbst in die Rolle des Opfers geraten: Im Jemen brachten Geiselnehmer den 65-Jährigen, seine Frau und seine drei Kinder
während einer Besichtigungsfahrt durch das Land in ihre Gewalt.
In seiner langen Laufbahn im diplomatischen Dienst hat sich Jürgen Chrobog mit seiner zurückhaltenden und geduldigen Art, hinter der sich ein entschlossener Verhandlungsstil verbirgt, einen Namen gemacht. Chrobog gehört nicht zu jener Art von Diplomaten, die in Fernsehinterviews ihre Ansichten herausposaunen.
Der studierte Jurist wurde am 28. Februar 1940 in Berlin als Sohn eines Ministerialbeamten geboren. Er verbrachte fast sein gesamtes Berufsleben im diplomatischen Dienst. Ab 1974 arbeitete er im Büro des damaligen Außenministers Hans-Dietrich Genscher (FDP). Er galt als engster Berater Genschers.
Die 80er Jahre hindurch versah Chrobog erst in Brüssel und dann in Bonn die Aufgabe eines Pressesprechers. 1991 wurde er Politischer Direktor im Auswärtigen Amt, in einer Zeit, die vom Jugoslawien-Konflikt dominiert war. 1995 krönte er seine Diplomatenkarriere als deutscher Botschafter in Washington. Danach war er als beamteter Staatssekretär im Auswärtigen Amt für heikle Missionen wie die Bemühungen um die Freilassung entführter Touristen zuständig.
Seit Juli 2005 ist Chrobog Vorstandsvorsitzender der BMW Stiftung Herbert Quandt.
