[SPITZMARKE]MüNCHEN - MÜNCHEN/AFP - Wenn der Zentralrat der Juden am 7. Juni über die Nachfolge seines verstorbenen Präsidenten Paul Spiegel entscheidet, wäre ein Votum für Charlotte Knobloch alles andere als eine Überraschung: Seit Tagen wird die derzeitige Zentralsrats-Vize in der Öffentlichkeit als Favoritin für das Präsidentenamt gehandelt. Mit der 73-Jährigen würde erneut ein Mitglied der Generation von Holocaust-Überlebenden die Führung des Zentralrats übernehmen – für Knobloch wäre es ein Erfolg im zweiten Anlauf, nachdem die Münchnerin 1999 gegen Spiegel unterlegen war.
„Ich will nicht hoffen, dass ich als Frau behandelt werde, sondern auf Grund meiner Leistung beurteilt werde“, hatte Knobloch vor ihrer damaligen Kandidatur für die Nachfolge des verstorbenen Ignatz Bubis gesagt.
Als erste Frau wurde sie 1997 zur Vizepräsidentin des Zentralrats gewählt. Bereits seit 1985 steht die dreifache Mutter an der Spitze der Israelitischen Kultusgemeinde in München. Dieses Amt hatte vor ihr noch keine Frau inne.
Knobloch wurde am 19. Oktober 1932 als Tochter eines jüdischen Rechtsanwalts in München geboren. Als Zehnjährige musste sie mit ansehen, wie die Gestapo ihren Vater verhaftete. Kurz danach kam Knobloch auf einem Bauernhof in Mittelfranken unter. Dort überlebte sie Krieg und Holocaust, weil sie als uneheliches Kind des Dienstmädchens ausgegeben wurde. Nach Kriegsende kehrte sie nach München zurück, besuchte die Handelsschule und arbeitete in der Kanzlei ihres Vaters.
