Rio De Janeiro - Der brasilianische Generalstaatsanwalt beschuldigt den Präsidenten des Landes, Michel Temer, der Korruption. Eine entsprechende Anklage reichte Rodrigo Janot am Montag ein. Zum ersten Mal in der Geschichte Brasiliens, des größten Landes in Südamerika, muss sich nun ein noch das Amt innehabender Präsident mit einer Anklage auseinandersetzen.

In seinem Schreiben erklärte Janot, Temer habe zwischen März und April dieses Jahres ein Bestechungsgeld von rund 150.000 Dollar angenommen, das vom Inhaber des Fleischkonzerns JBS, Joesley Batista, stammte.

Über neun Monate hinweg könnte Temer eventuell zwälf Millionen Dollar an Bestechungsgeld erhalten haben, schrieb Janot in seinem 64-seitigen Schreiben. Im Allgemeinen zeige der Präsident keinerlei Respekt für sein Amt.

Janot hatte im vergangenen Monat Ermittlungen gegen Temer wegen mutmaßlicher Korruption, Behinderung der Justiz und wegen der Teilhabe an einer kriminellen Organisation eingeleitet. Der Fall geht nun an die Abgeordnetenkammer im Kongress. Diese muss entscheiden, ob vor dem Obersten Gerichtshof ein Verfahren gegen Temer beginnen kann. Wenn eine Zweidrittelmehrheit dafür stimmt, dass die Anklage begründet ist, wird Temer für 180 Tage von seinem Amt suspendiert. In dieser Zeit muss das Gerichtsverfahren gegen ihn stattfinden. Übergangsweise würde das Amt des Präsidenten dann von Rodrigo Maia verwaltet, der der Vorsitzende des brasilianischen Unterhauses und ein Verbündeter Temers ist.

Dass Janot lediglich Anklage wegen des Verdachts der Korruption erhoben hat, dürfte eine strategische Handlung gewesen sein. Die Abgeordnetenkammer im Kongress muss sich nun zunächst nur damit beschäftigen - die anderen Vorwürfe werden hinten angestellt.

Temer selbst weist die Vorwürfe zurück und hat erklärt, er habe sich nicht falsch verhalten. Er will nach eigenen bisherigen Angaben nicht freiwillig zurücktreten. Temer übernahm den Posten im Mai 2016, nachdem Präsidentin Dilma Rousseff ihres Amtes enthoben worden war. Seine Umfragewerte sind einer jüngsten Analyse zufolge im Keller, lediglich sieben Prozent der Bevölkerung sind demnach zufrieden mit seiner Arbeit.