Nordenham/Kleinensiel - Der Abstand zwischen der Nordenhamer Innenstadt und dem Kernkraftwerk Unterweser (KKU) in Kleinensiel beträgt in der Luftlinie nur sieben Kilometer. Da ist es kein Wunder, dass die Kommunalpolitiker im Nordenhamer Stadtrat aufmerksam verfolgen, wie es mit dem 2011 vom Netz genommenen Atommeiler weitergeht. Der bevorstehende Rückbau des Kraftwerks ist jetzt Thema im Umweltausschuss gewesen, der in zwei Punkten deutliche Kritik anbrachte und diese in die offizielle Stellungnahme der Stadt Nordenham aufnehmen ließ. Die Bedenken richten sich gegen die Größe und die Sicherheitsausstattung des geplanten Lagers, das die bei der Demontage des Kraftwerks anfallenden Materialien aufnehmen soll.
Der Kraftwerksbetreiber Eon will das „Lager Unterweser für radioaktive Abfälle“ (Luna) als zusätzliche Deponiehalle auf dem KKU-Gelände errichten, um dort das Abbruchmaterial so lange unterzubringen, bis die Bundesrepublik Deutschland ein Endlager für Atommüll gefunden hat. Das kann laut Peter Kania, der im Nordenhamer Rathaus das Amt für Stadtentwicklung und Bauordnung leitet, „noch 30 bis 40 Jahre dauern“. Dass ein Zwischenlager nötig ist, zweifelt er nicht an. Aber was Peter Kania für nicht in Ordnung hält, das sind die Ausmaße des Lagers. Luna soll nach den Eon-Plänen um 20 Prozent größer gebaut werden, als es für die beim KKU-Rückbau anfallenden Abfälle erforderlich ist.
Mit der Überdimensionierung möchte sich Eon die Möglichkeit freihalten, dort auch Atomabfälle von anderen Kraftwerksstandorten zu lagern. „Das ist nicht hinnehmbar“, bestätigte der SPD-Politiker Kurt Winterboer die von Peter Kania vorgetragenen Bedenken.
In der einstimmig vom Umweltausschuss verabschiedeten Stellungnahme der Stadt Nordenham zum Luna-Antragsverfahren heißt es nun: „Es ist nicht akzeptabel, dass das Lager überdimensioniert wird, um auch an anderen Stellen anfallendes Material aufzunehmen und damit die Bevölkerung einem vermeidbaren größeren Risiko auszusetzen.“
Zudem bemängelt die Stadt Nordenham mit Blick auf die derzeitige Terror-Problematik, dass die Luna-Konstruktion nicht den Sicherheitsanforderungen bei möglichen Anschlägen genüge. In der Gefahrenabschätzung sei zwar der Absturz einer schnellfliegenden Militärmaschine zugrunde gelegt worden, aber nicht der Einschlag einer Verkehrsmaschine mit wesentlich mehr Treibstoffvorräten in den Tanks. Auch für den Beschuss mit militärischen Waffen gebe es kein Szenario. Laut Regelwerk müsse die Abschirmung so stabil sein, dass das Gebäude eine Bombendruckwelle von 0,45 bar aushalten kann. In dem Eon-Antrag sei aber nur von Druckwellen bis zu 0,16 bar die Rede. „Hier ist vor dem Hintergrund der aktuellen terroristischen Bedrohung nachzubessern“, fordert die Stadt Nordenham.
