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Ns-Vergangenheit Stadt und Lions haken den Fall Spohr ab

Nordenham - Für die Stadt Nordenham ist der Fall abgehakt. Die Überprüfung der nationalsozialistischen Vergangenheit des Ehrenplakettenträgers Rudolf Spohr hat die Stadtverwaltung zu der Überzeugung gelangen lassen, dass es keine juristisch belastbaren Erkenntnisse gibt, die eine Aberkennung der offiziellen Auszeichnung erfordern würden. Diese vom Ersten Stadtrat Carsten Seyfarth vorgetragene Bewertung wird in den Fraktionen zwar noch für politischen Diskussionsstoff sorgen, aber in der Sache ist das Thema aus Verwaltungssicht erledigt. Hingegen kommt auf die Nordenhamer Goethe-Gesellschaft, deren Vorsitzender Rudolf Spohr von 1967 bis 1993 war, noch einiges zu.

Versammlung im Januar

Die Kulturvereinigung will sich in ihrer Jahreshauptversammlung am Sonntag, 11. Januar, mit der brisanten Angelegenheit auseinandersetzen. Dabei geht es um die Frage, ob Rudolf Spohr posthum der Titel des Ehrenvorsitzenden entzogen werden sollte. Ein Mitglied der Nordenhamer Goethe-Gesellschaft hat schon vor einigen Wochen einen entsprechenden Antrag eingereicht. „Wir werden darüber ausführlich und fair diskutieren“, sagt der Ortsvorsitzende Burkhard Leimbach. Dass die Stadt Nordenham den 2006 verstorbenen Kulturförderer, entlastet hat, ändert nach Angaben des Vereinschefs nichts an der Vorgehensweise der Goethe-Gesellschaft.

Laut Burkhard Leimbach hat sich die Stadt auf einer „formalen Ebene“ mit der Sache befasst. Für die Goethe-Freunde hingegen gehe es um „moralisch-ethische Aspekte“. Und dabei vor allem um die Glaubwürdigkeit, die ein Ehrenvorsitzender mitbringen müsse. Die im Rathaus getroffene Entscheidung will Burkhard Leimbach nicht weiter bewerten.

Auf Nachfrage der NWZ  hat sich jetzt auch der Lions Club Nordenham/Elsfleth zu den Vorwürfen gegen Rudolf Spohr geäußert. Der Kaufmann zählte in der Unterweserstadt zu den Gründungsmitgliedern des Service-Clubs, der im November sein 40-jähriges Bestehen feierte.

Präsident Heiko Dirks betont, dass in der Vereinigung großer Wert auf „uneigennützige, selbstlose, durch Rücksicht auf andere gekennzeichnete Denk- und Handlungsweisen und eine weltoffene Einstellung“ gelegt werde. Toleranz und Völkerverständigung stünden im Mittelpunkt; radikale Ansichten oder Intoleranz würden „keinesfalls geduldet“.

„Niemals aufgefallen“

Laut Heiko Dirks hat sich Rudolf Spohr als ein „aufrichtiges und engagiertes Mitglied verdient gemacht“. Er sei niemals „auch nur ansatzweise“ durch eine nationalsozialistische, rassistische oder fremdenfeindliche Gesinnung oder Äußerung aufgefallen.

Als Rudolf Spohr 2006 starb, hatte er 32 Jahre dem Lions Club angehört. Weil die Mitgliedschaft damit beendet war, besteht nach den Worten von Heiko Dirks jetzt keine Veranlassung für den Club, sich näher mit dem Thema zu befassen oder gar Entscheidungen zu treffen.

In der Stadtratssitzung am Donnerstag wunderten sich einige Zuschauer, dass die Fraktionen den Vortrag des Vize-Verwaltungschefs schweigend zur Kenntnis nahmen und es keine Wortmeldungen gab. Ratsvorsitzender Uwe Thöle (SPD) hat dafür Verständnis. Er verweist darauf, dass der Bericht der Verwaltung für die meisten Ratsmitglieder neu war und er auch noch nicht schriftlich vorlag. Daher sei es richtig gewesen, „bei diesem sensiblen Thema auf spontane Äußerungen zu verzichten“. Vor einer Stellungnahme sei es ratsam, sich in Ruhe Gedanken zu machen. Diese Zeit hätten die Fraktionen bisher nicht gehabt. In der SPD und auch in den anderen Partein werde sicherlich noch darüber diskutiert, meint Uwe Thöle, wenngleich für ihn persönlich bereits feststeht, dass er sich der Haltung der Stadtverwaltung anschließt.

Norbert Hartfil
Norbert Hartfil Redaktion Nordenham (Leitung)
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