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Politik Stadt wagt Sprung ins Abenteuer Aqua Toll

Schortens - Es war ein Verhandlungsmarathon bis zur letzten Minute. Die SPD/FDP-Gruppe, die sich stets für die Sanierung und den Erhalt des Bades eingesetzt hatte, war angesichts der gestiegenen Baukosten und nicht ausreichender Einsparpotenziale noch am Mittwoch drauf und dran, das Projekt zu kippen. Auch Bürgermeister Gerhard Böhling, der sich die Stadt ohne das Schwimmbad nicht vorstellen mochte, konnte rechnen, soviel er wollte: Stets wurde die im vergangenen Jahr vom Rat zementierte Linie von 6,4 Millionen Euro gerissen. Das Projekt war 150 000 Euro zu teuer. Und damit eigentlich gestorben. „Dann ist das eben so“, sagte Böhling, „wir haben’s aber wenigstens versucht.“

Erst am Donnerstagvormittag, dem Tag der Entscheidung über das Wohl und Wehe des Aqua Toll im Schortenser Rat, wurde der Stadt der Rettungsring hingeworfen: Die Schweden von Actic Fitness, die vor drei Jahren am Schwimmbad als einem ihrer ersten Standorte in Deutschland gut eine Million Euro in ein Fitnessstudio investiert hatten, unterstützen die Bad-Sanierung mit 100 000 Euro. Auch der Landkreis kommt der Stadt entgegen und verzichtet auf Genehmigungsgebühren (die NWZ  berichtete).

„Vieles schöngerechnet“

Für die Kritiker im Stadtrat sind das alles faule Tricks, „um die Zahlen schönzurechnen“, sagte etwa Horst-Dieter Freygang (CDU). Er wies darauf hin, dass die Kalkulation auf tönernen Füßen stehe, diese Rieseninvestition die Stadt über Jahre hinaus lähmen werde und vieles andere nicht mehr finanziert werden könne.

Doch nicht nur die Stadtverwaltung, auch Axel Homfeldt (CDU) kann Kaninchen aus dem Hut zaubern: Homfeldt machte einen Rechenfehler in der Baukostenreserve aus, den er dem Rat am Abend unter die Nase rieb. Demnach habe sich die Stadt um etwa 80 000 Euro verkalkuliert, tatsächlich liegen die Kosten immer noch bei über 6,4 Millionen Euro. Mehrere Nachfragen aus Reihen der CDU und der Grünen, wie das zu erklären sei und ob man das nicht überprüfen wolle, blieben unbeantwortet. Am Ende entschied der Rat mit 21 Ja-Stimmen von SPD/FDP, den Wählergruppen BfB und UWG sowie Anne Krüger gegen 13 Stimmen von CDU und Grünen für die Sanierung.

Ein Argument, das viele Skeptiker für das Bad stimmen ließ: Die Abrisskosten und mögliche Millionen-Entschädigungen an Actic Fitness. „Wir hätten drei bis vier Millionen Euro zahlen müssen und am Ende nichts gehabt“, erläuterte die fraktionslose Anne Krüger ihr Umdenken und stimmte Schortens’ leidenschaftlichstem Bad-Befürworter Janto Just (BfB) zu. „Dann lieber noch ein bisschen mehr ausgeben und wir behalten unser Freizeitbad für die Vereine, die Schulen, die DLRG und die Bürger.“

„Eiertanz veranstaltet“

Für Wolfgang Ottens (Grüne) war klar: SPD, BfB und der Bürgermeister wollten das Bad, egal was es kostet. „Dann sollten Sie das auch ehrlich sagen und nicht solch einen Eiertanz veranstalten.“

Bürgermeister Gerhard Böhling betonte, das wesentliches Ziel aller Planungen sei, den jährlichen Zuschuss der Stadt ins Bad zu senken. Das sei mit den Planungen gelungen. Man liege künftig in einer Größenordnung von rund 300 000 Euro.

Axel Homfeldt kündigte an, die Zahlen und Rechenfehler von der Kommunalaufsicht prüfen zu lassen.

Oliver Braun
Oliver Braun Redaktion Jever
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